Die toten Augen der PR

Ich bekomme täglich eine Menge Presseinformationen. Besonders, wenn der Redakteur sie nicht explizit angefordert hat, muß eine Pressemitteilung zwei wichtige Aufgaben erfüllen: Nicht nur informativ für den Leser bzw. potentiellen Käufer sein, sondern erstmal auch den Redakteur neugierig machen, ob er überhaupt Zeit und Lust hat, sich außerplamäßig mit dem Thema zu beschäftigen.

Leblose Darstellung... (Bild: Nikon)

L(i)eblose Darstellung…
(Bild: Nikon)

Da wundert es, wenn manche Hersteller bzw. dessen Agentur einem so lieblose Mails hinknallt…

Statt es dem Adressaten möglichst einfach zu machen, wird es nicht selten unnötig kompliziert:

  • Text :Corporate Design scheint manchem Unternehmen wichtiger als Handhabung im CMS des Rezipienten. Also bekommst du den Text als PDF , wo du ihn erstmal mehr oder weniger aufwendig rausfummeln mußt. HTML-konforme Tabellen der technischen Daten erhalte ich praktisch nie.
  • Fotos sind heute wichtiger denn je. Da online nichts kostet, bekommt jeder alles und das am besten noch in höchster Druckqualität auch mal 300 Megabyte. Als Online-Magazin reicht mir aber eine „geringe“ Auflösung, zur Zeit orientiere ich mich an Full HD (mit einem automatisch generierten kleineren Vorschaubild).

Und obwohl gerade für Fotohersteller eine toll bebilderte Pressemitteilung ein Heimspiel sein sollte, wirken sie auf mich manchmal besonders traurig. Zum Beispiel eine Kameravorstellung von Nikon mit insgesamt 20 Bildern — gleich 20 schwarze Klötze, obwohl das Display doch belebende Farbe ins Spiel bringen könnte.

Die Bilder wirken wie schwarze Kleckse (Screenshot des Bildarchivs)

Die Bilder wirken wie schwarze Kleckse
(Screenshot des Bildarchivs)

Außerdem möchte der potentielle Kunde auch gern Umfang und Brauchbarkeit von Display, Infos und Kontrolllämpchen beurteilen können wenn die Kamera in Betrieb ist. Selbst der Hinweis „on“ im Dateinamen weist lediglich darauf hin, daß das Objektiv ausgefahren ist, das einzige farbige Highlight ist in diesem Fall die farbig spiegelnde Vergütung des Objektivs.

Bei der „hippen“ Schnappschußkamera stehen sogar stolze 37 Bilder zur Auswahl. Kameras aus allen Perspektiven, aber ebenfalls meist mit ausgeschaltetem Display. Mit „ambience“ gibt es immerhin etwas lebendigere Alternativen.

Interessante Fotos sehen anders aus (Screenshot des Bildarchivs [Ausschnitt])

Interessante Fotos sehen anders aus
(Screenshot des Bildarchivs [Ausschnitt])

Ja, ich weiß, es ist schwierig Bildschirme zu fotografieren. Das merke ich immer wieder bei meinen eigenen Tests von Smartfons oder bei der Dokumentation von Workshops. Aber es geht — und wenn nicht, kann man ruhig einen optimalen Screenshot des Displays hinein kopieren — mit entsprechendem Hinweis „Montage“ oder „Composing“. Immerhin wird das Display gerade bei Schnappschuß- und Kompaktkameras sonst oft genug als Feature hervorgehoben. Ich finde eine Abbildung der in Aktion befindlichen Kamera sehr wichtig, um mir als Kunde auch einen kleinen Eindruck von der Bedienbarkeit verschaffen zu können. Zum Beispiel eine Straßenszene statt steriler Studiofotos mit explodierenden Erdbeeren.

Vielleicht liegt das einfach daran, daß Öffentlichkeitsarbeit oft genug „outgesourct“ wird, und der Agenturmitarbeiter, der gestern noch Gurken beworben hat, deshalb einfach nicht am Pulsschlag des Unternehmens ist. Außerdem wird Presse- und ÖA oft mit plumpen Marketing verwechselt. Also, Augen auf.

Schreibe einen Kommentar