Content-Management ohne SQL-Datenbank (Teil 1|5)

Meine erste Website bastele ich Anfang der 90er mit irgendwelchen Tools halb im Blindflug zusammen und lade sie bei „Compuserve Ourworld“ hoch. Dort bleibt sie bis Compuserve sie abstellt. Inzwischen setze ich eine Website „nebenbei“ auch für kleine Projekte auf.

Content-Management-System ohne Datenbank heißt flat file.

Content-Management-System ohne Datenbank heißt „flat file“.

Obwohl ich mehrere Webseiten mit WordPress betreibe und sogar Einsteigerbücher zu Joomla und Drupal geschrieben habe, wirkt ein solches CMS wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Dann greife ich meist zum Editor und tippe HTML und CSS komplett von Hand ein. Eigentlich kein Problem, doch relativ zeitaufwendig und vor allem schlecht dazu geeignet dies für Dritte zu tun. Egal wie klein später eine Änderung sein soll, man kann einem Laien einfach nicht zumuten Änderungen direkt im Quelltext zu machen, seien sie auch noch so klein. Die einfachere Alternative heißt Flat File CMS. Das heißt, weg von der statischen Website, aber Verwaltung ohne Programmierung und ohne (SQL-) Datenbank. — Im ersten Teil geht es um die grundsätzliche Konzeption.

Als Content-Management-System bezeichnet man Webseiten, auf denen du Inhalte hinzufügen oder ändern kannst, ohne „Programmieren“ zu müssen (sogenanntes klassisches statisches HTML). Dies erfordert allerdings zwingend einen Server, eine „Programmiersprache“ wie beispielsweise PHP und meist eine Datenbank (ist oft ein zweiter Server). Ein „flat file“ System bietet ähnliche Funktionen, kommt aber mit weniger Ressourcen aus und fühlt sich dank weniger (Verwaltungs-) Funktionen manchmal wie eine Textverarbeitung an.

Mit „Instant WordPress“ bekommst du übrigens ein fertiges Komplettpaket: Du erhälst eine Server-Umgebung (mit SQL) und ein fertig integriertes WordPress. Wenn die mitgelieferte WP-Version nicht top aktuell ist, kein Problem, denn du kannst sie über das Backend selbstverständlich aktualisieren.

Eine Datenbank ist für o. g. Systeme eigentlich nicht besonders schwer zu konfigurieren, aber Backup und Restore sind etwas fummelig, vor allem auf fremden Servern. In einem Flat-File-CMS werden die Daten dagegen in simplen Textdateien gespeichert. Das hat mehrere Vorteile:

  • beim Webhosting ist keine SQL-Datenbank notwendig
  • es reicht PHP als Skriptsprache
  • die Konfiguration ist sehr einfach „out of the box“
  • die „box“ kann meist beliebig umziehen ohne Pfade bzw. URLs einstellen zu müssen
  • man arbeitet prinzipiell wie im gewohnten Dateisystem
  • Backup/Restore sind einfach über den Hauptordner (die „box“) möglich

Vor ein paar Jahren recherchiere ich bereits zu dem Thema, finde keine wirklich brauchbare Lösung und viele Projekte scheinen zudem vor sich hinzudümpeln. Ein Tipp in der CT 11/2016 für „Grav“ gibt den Anstoß, das Thema einmal wieder aufzugreifen. Ich gewinne allerdings schnell den Eindruck, daß auch dieses System mit Umfang und Komplexität wieder das Problem mit den Kanonen und den Spatzen hat. Andererseits sollte man schon ein gewisses Verständnis von der technischen Funktionsweise des Internets, Server, FTP, HTML, CSS usw. haben (nicht unbedingt als „Programmierer“).

Ich lande einen Glückstreffer als ich beim Blog „Trendschau“ auf den Beitrag „20 Flat-File-Systeme im Test“ stoße. Er ist mit Stand Ende 2015 noch recht aktuell, listet als Tabelle 20 CMS auf, gibt aber auch eine hilfreiche Einschätzung, was taugt oder doch eher „experimentell“ zu sein scheint. Ein Großteil der Systeme ist sogar kostenlos erhältlich.

Aus dieser Liste suche ich mir vier Systeme aus und stelle sie in den weiteren Teilen kurz vor.

 

 

Fazit CMS ohne SQL

Meine erste Recherche vor einigen Monaten bringt damals nur unbefriedigende Software zum Vorschein, die sehr simpel und umständlich ist und darüber hinaus oft auch nicht gepflegt wird. Bei diesen beiden Kandidaten sieht es ganz anders aus!

  1. HTMLy ist — nach Anlaufschwierigkeiten — wirklich kinderleicht zu installieren. Die Verwaltung von Beiträgen ist sehr einfach und übersichtlich. Allerdings mußt du es so nutzen „wie es ist“. Mit Web-Kenntnissen läßt sich sicher noch einiges machen, für Laien ist da aber schnell Schluß. Trotzdem ist es eine gute Lösung, wenn du als Allein-Betreiber nur wenige Seiten verwalten möchtest, dich aber nicht einem fremd-kontrollierten Angebot ausliefern möchtest.
  2. Bludit fühlt sich stellenweise fast wie WordPress an. Es gibt Seiten und Beiträge, Themes und Plugins, sogar mehrere Nutzer und Rollen. Auch Kommentare sind über externe Funktionen möglich. Wer noch keine Erfahrung mit WordPress & Co. gemacht hat wird bei kleinen privaten Web-Projekten kaum etwas vermissen und hat trotzdem die Freiheit selbst zu hosten. Allerdings bedeuten mehr Möglichkeiten auch mehr Lernen, eigentlich zuviel des Guten…
  3. Monstra bietet viel und sticht bei einem Flat-File-System mit einer Benutzerverwaltung heraus, die drei Rollen bietet. Andererseits hakt es an vielen Ecken und Enden: Der mitgebrachte Editor ist sehr simpel, einen Alternative bekomme ich nicht zum Laufen. Themes ja, aber mitgeliefert oder zum Download gibt es keine über „default“ hinaus.
  4. Nibbleblog überrascht mit der Einfachheit der Installation und der Vielseitigkeit der Möglichkeiten. Im Editor sticht die Bildverwaltung positiv hervor, das Blog ermöglicht Kommentare. Das System kann mit Plugins und Templates erweitert werden. Eigentlich ist es mein Favorit — wenn es eine Benutzerverwaltung hätte.

Jedes der getesteten Systeme hat seinen Vorzüge, keines sticht als absolute Empfehlung hervor: Lediglich Monstra patzt, weil sich viele im Backend scheinbar einfach konfigurieren läßt, dann aber doch nicht ohne weiteres funktioniert. HTMLy ist wirklich sehr einfach und praktisch, wenn man direkt in den Code eingreifen kann und will. Nibbleblog hätte ich nach der einfachen Installation und als Flatfile so viele Funktionen nicht zugetraut. Punktet mit Bildverwaltung, leider ohne Benutzerverwaltung. Bludit bietet dagegen fast alles, was auch die großen Systeme mit SQL-Datenbank vormachen. — Wenn ich mal auf WordPress verzichten möchte, hat Bludit die Nase leicht vorn.