Fotowettbewerb, nein Danke! [Kommentar]

Ein Veranstaltungsnewsletter macht mich auf den Fotowettbewerb „Zeig‘ uns Dein Hannover!“ aufmerksam. Obwohl ich viel und gern auch in Hannover fotografiere, werde ich nicht teilnehmen.

So ein (Foto-) Wettbewerb ist eine zweischneidige Sache: Einerseits verstehe ich natürlich den Marketinggedanken des Mitmacheffekts und wer selten in der Öffentlichkeit steht freut sich, wenn sein Bild gezeigt wird. Auf der anderen Seite werden Fotowettbewerbe zur billigen Bildbeschaffung mißbraucht.

Dies ist ein Kommentar aus Laien-Sicht und keine rechtliche Beratung! Dies ist eine persönliche Schilderung aus der Praxis.

Die Teilnahmebedingungen für o. g. Wettbewerb enthalten — Pflichten und Pflichten: Einerseits sichert sich der Veranstalter hinsichtlich der rechtlichen Lage ab (z. B. Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen), andererseits sichert er sich praktisch unbegrenzte Nutzungsrechte.

In der Praxis heißt das: Gibt es Ärger, weil du das Recht am eigenen Bild nicht beachtet hast, reicht der Veranstalter die Probleme an dich weiter. Das kann teuer werden — für dich! Auf der anderen Seite läßt sich der Veranstalter zeitlich und örtlich unbegrenzte Nutzungsrechte einräumen — gratis! Dabei geht es dann m. E. nicht mehr nur um den Fotowettbewerb. Gleichzeitig stimmst du einer „Bearbeitung“ zu, was im Extremfall bedeutet, daß für eine Montage auch nur ein winziger Ausschnitt verwendet werden darf oder das Bild komplett aus dem Zusammenhang gerissen wird. Du stimmst zu, daß dein Namen genannt werden darf — in Wirklichkeit hat der Urheber das Recht, daß der Namen genannt werden muß. — Und das alles gilt allein für die Teilnahme.

Mit der Teilnahme an unserem kostenlosen Fotowettbewerb werden die Teilnahmebedingungen akzeptiert.
Jeder Teilnehmer muss das 18. Lebensjahr vollendet haben.
Angestellte der Hannover Marketing & Tourismus GmbH, der Hannover.de Internet GmbH sowie ihre Familienangehörigen sind ausgeschlossen.
Jeder Teilnehmer bestätigt, dass er die alleinigen Verwertungsrechte an seinem eingereichten Foto sowie das Einverständnis der abgebildeten Personen hat und damit Urheber des Fotos ist.
Der Teilnehmer ist damit einverstanden, dass sein Name als Urheber genannt wird.
Der Teilnehmer räumt der Hannover Marketing & Tourismus GmbH (HMTG) das Recht ein, seine Fotos unentgeltlich auf www.Hannover.de zu verwenden. Diese Rechte sind zeitlich und örtlich unbegrenzt. Ebenfalls ist eine Bearbeitung des Fotos durch die HMTG zulässig.
Welche Fotos veröffentlicht werden, entscheidet die HMTG. Die Veröffentlichung erfolgt auf www.Hannover.de/DeinHannover. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Teilnahmebedingungen genau lesen! (Quelle: a. a. O.)

Teilnahmebedingungen genau lesen!
(Quelle: a. a. O.)

Vielleicht wollte sich mit diesen Bedingungen ein städtischer Angestellter nur besonders gut absichern, bevor er in der unerbittlichen Hierarchiekette für Fehler verantwortlich gemacht wird. Vielleicht ist dies aber auch nur ein gängiger Trick, um der Marketing-und-Tourismus-Abteilung billig Bilder zu beschaffen. Denn auch Amateure liefern heute technisch wie inhaltlich professionelle Bilder, die sich auch im gewerblichen Umfeld verwenden lassen. Und wenn Microstock noch nicht billig genug ist, dann werden über so einen Wettbewerb die Bilder sogar gratis geliefert — wobei die Pflichten praktischerweise beim Fotografen bleiben. Wohlgemerkt, das alles gilt allein für die Teilnahme, nicht nur für den Gewinner! Apropos Gewinn: 2 Karten fürs örtliche Feuerwerk im Gesamtwert von nicht mal 40 Euro (vom selben Veranstalter; Stand: Aug. 2016). Auch das wäre nur ein Anerkennungstaschengeld, wenn die Bilder auch außerhalb des Wettbewerbs verwendet würden.

Man sollte sich also die Teilnahme bei einem Wettbewerb mit solchen Bedingungen gut überlegen (über die gesellschaftlichen „Nebenwirkungen“ möchte ich mich gar nicht erst auslassen, z. B. ein Titelbild der „Time“ für 31,50 US-Dollar).

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