Praxistest: Fujifilm Instax SP-2 druckt sofort.

Seit der Computer am Arbeitsplatz Einzug gehalten hat, ist vom „papierlosen Büro“ die Rede — doch meist ist das Gegenteil ist der Fall. Und obwohl Smartfons und Digitalkameras Schnappschüsse direkt in die sozialen Netzwerke hochladen können, gibt es auch bei Bildern den Wunsch nach Papier.

Fuji Instax SP-2 druckt sofort.

Fuji Instax SP-2 druckt sofort.

Das führt zu einer Renaissance des Sofortbildes, das wir sonst oft nur noch als Look kennen. Nach dem weitgehend erfolglosen Zink (zero ink) von Polaroid liefert der alte Rivale Fujifilm vom Instax-Smartfon-Sofortbild-Drucker nun die Weiterentwicklung SP-2 aus.

Hardware

Der Fujifilm Instax Share SP-2 ist für die mobile Nutzung speziell mit Smartfons gedacht. Dementsprechend ist es ein Kästchen ähnlich einer externen Festplatte, das per WLAN Kontakt aufnimmt und über einen Akku mit Strom versorgt wird. Das Verbrauchsmaterial wird als Kassette für jeweils zehn Bilder geladen. Ich weiß nicht, warum die Hersteller gern Gewichtsangaben ohne Akku und ohne Filmkassette machen — hier 250 Gramm — wenn man dann mit dem Gerät nichts anfangen kann… Betriebsbereit mit frischer Bildkassette sind es 303 Gramm. Während das Design des Vorgängers SP-1 m. E. den Charme eines Epilliergerätes versprüht, orientiert sich das neue Design am Trockenrasierer der 80er — in Gold oder Silber — und wirkt sehr plastikmäßig. Trotzdem ruft der Hersteller ca. 190 Euro auf.

Fujifilm Instax SP 2 im Vergleich zu Kleinbildfilmen und einer Doppelpackung Papier.

Fujifilm Instax SP 2 mit Kleinbildfilmen und einer Doppelpackung Papier.

Hinter der riesigen Klappe an der Rückseite verbirgt sich ein eher kleiner Akku, ein Netzteil/Ladegerät wird nicht mitgeliefert. Es wird auf das Netzteil des Smartfons verwiesen, das bitte 5 Volt 1.000 mAh liefern möge. Es wird eine Ladezeit von 90 Minuten angegeben, dann soll er für 100 Bilder reichen.

Startklar machen…

Der Drucker hat zwar einen USB-Anschluß, der dient aber nur zum Akkuladen. Um ein Foto drucken zu können brauchst du natürlich eine App, die dann per WLAN die Verbindung herstellt. App Instax Share gibt es für Android ab 4.0.3 Ohne Instax Share läuft nichts.(und die App funktioniert unter Android 6.0 nur, wenn GPS eingeschaltet ist…) oder IOS 7.1 — mit WindowsPhone guckst du in die Röhre, da brauche ich ihn also gar nicht meiner Freundin für den Alltagstest anzubieten. Wenn ich die Anleitung richtig verstehe, sollen auch (einige) Fuji-X-Kameras mit dem Instax-Drucker kommunizieren und drucken können. Am PC läßt er sich nicht verwenden.

Ohne Instax Share App läuft nichts.

Für die Funkverbindung brauchst du das werksseitige Paßwort „1111“. Wie so oft stellt die App nicht einfach nur einen „Druckertreiber“ zur Verfügung, sondern doppelt vieles, was wir mit anderen Apps sowieso schon auf dem Handy haben. Man kann direkt ein Foto machen und drucken oder auf die Galerie zugreifen. Das dauert allerdings sehr lange und es werden m. E. nicht alle Bilder angezeigt und die Ordnerstruktur ignoriert. Auch Bilder aus sozialen Netzwerken können gedruckt werden, wobei sie automatisch mit Profilbild und Infotext verziert werden. Die Echtzeitvorlagen konnte ich nach Fehlermeldung „Server nicht erreichbar“ leider nicht ausprobieren.

Praxistest

Bei der Bezeichnung „Drucker“ denkt man in der Regel an ein Gerät, das Farbe aus einem Vorratsbehälter mit Hilfe eines Druckkopfs materiell auf das Papier überträgt. Beim Instax von Fujifilm ist es anders: Mit seinem Hintergrund als Film- und Fotopapier-Hersteller handelt es sich tatsächlich um lichtempfindliches Fotopapier, das über eine 3-Farb-OLED-Zeile belichtet wird (laut Anleitung 800 x 600 Pixel mit 256 Farben und 320 dpi). Das klingt spannend! Dementsprechend mußt du mit der Packung vorsichtig umgehen, man kann sie tatsächlich wie zu analogen Zeiten durch Lichteinfall versauen. Und es gibt in der Anleitung (S. 52) den schon fast vergessenen Hinweis:

Gepäckdurchleuchtung auf dem Flughafen oder ähnlich starke Röntgenbestrahlungen vermeiden. Dies könnte zu Schleierbildung auf unbelichteten Filmen führen.

Eine Speicherkarte einzulegen ist nicht halb so spannend, und bitte auf die gelbe Markierung achten. Apropos: Nicht nur der Drucker ist teuer, sondern auch das Verbrauchsmaterial: Die Doppelpackung für 2 x 10 Bilder kostet knapp 18 Euro, also etwa 90 Cent pro Foto.

Die Verbindung zum Drucker klappt nicht immer auf Anhieb, den Hinweis Bilder können auch aus Facebook & Co. übernommen werden.„Bildqualität nimmt ab, wenn das Bild weiter verkleinert wird.“ verstehe ich nicht. Da ich darauf keinen Einfluß nehmen kann, ignoriere ich ihn und kann diesbezüglich später keinen Mangel feststellen.

Bilder können auch aus Facebook & Co. übernommen werden.

Irgendwo wird eine Druckzeit von 10 Sekunden genannt. — Es kommt darauf an, wie man mißt und rechnet: Etwa 10 Sekunden dauert die Datenübertragung vom Smartfon auf den Drucker, der braucht dann nochmals rund 10 Sekunden für die Belichtung. Dann fällt das Bildchen vorne aus dem Schlitz. Doch fertig ist es noch lange nicht. Erst nach etwa einer Minute entsteht ein Bild, nach gut zwei Minuten scheint es weitgehend entwickelt. Ohne Meßapparaturen in Anspruch zu nehmen, schätze ich aber, daß sich Feinheiten noch mindestens ein, zwei Minuten mehr gönnen.

Am Ende hast du ein Bildchen in der Größe 62 x 46 mm („netto“, Papiergröße ca. 85 x 55 mm), also knapp in der Größe einer Spielkarte. Da Fujifilm dabei tatsächlich das Prinzip eines Sofortbildes wie bei seinen Sofortbildkameras zurückgreift, ist dies schon ein merkwürdiges Erlebnis: Wie vor über 30 Jahren baut sich das Bild langsam vor deinen Augen auf. Gleichzeitig hat es auch die selben Nachteile, denn das Bild sollte nicht zurecht geschnitten werden, wohl wg. des Chemiereservoirs in den Schichten. Auch die Bildqualität hat Sofortbildcharme mit „kräftig-blassen“ Farben. Das mag begeistern, wenn man an die alten Zeiten erinnert werden möchte, aber für einen Fotoausdruck ist es eher mäßig.

Mein Video zeigt exemplarisch rund 2½ Minuten Druckvorgang: Vom Start beim Klick auf „Drucken“ in der App, über Belichten und ein paar Minuten zusehen, wie das Bild entsteht.

Fazit

Der Fujifilm Instax Printer SP-2 ist schon ein merkwürdiges Gerät. Das „echte Sofortbild“-Feeling läßt bei jemandem über 30 sentimentale analoge Gefühle aufkommen als die Polaroid SX 70 Hightech ist und Profis sich Sofortbildrückwände an ihre Spiegelreflexkamera flanschen. Doch kann man damit heutzutage einen verwöhnten „digital native“ überzeugen? Die Druckqualität ist weit weg von dem was gute Fotodrucker oder Dienstleister liefern — man hat quasi einen Instagram-Dauerfilter drauf. Das Ergebnis sind kleine — um nicht zu sagen: winzige — Bilder.

Auf der anderen Seite werden ambitionierte Preise aufgerufen: Finanzieren sich günstige Tintenstrahldrucker ab 49 Euro häufig über hohe Verbrauchskosten, ist hier beides teuer: 200 Euro für den Drucker und fast 1 Euro pro Bild. Als Proof für den Profi ist es zu klein, insgesamt zu langsam und farblich zu stark abweichend, für „Fun“ viel zu teuer und mit 300 Gramm bei Abmessungen einer Butterdose auch nix für die Hosentasche. Für wen ist der Drucker gedacht — ich weiß es leider nicht…

Vorteile Nachteile
  • mobil nutzbar
  • Akku wechselbar
  • Drucker teuer
  • „Filme“ teuer
  • kein Ladegerät
  • nicht am PC nutzbar
  • sehr kleine Bilder
  • Fotos dürfen nicht geschnitten werden

Kleine Bilder mit einer sehr speziellen Farbanmutung.

Kleine Bilder mit einer sehr speziellen Farbanmutung
(mit Spielkarten zum Vergleich).

(Das Gerät wurde als kostenlose Teststellung ohne redaktionelle Auflagen oder Einflußnahme zur Verfügung gestellt.)

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