Vom E-Buch zum Druckerzeugnis (Teil 1)

Mit meinem E-Buch „Lightroom 6 — Das Praxisbuch zum Workflow “ werde ich zwar nicht reich und berühmt, aber es verkauft sich als Selfpublishertitel ganz gut, ist ein Stück weit Experiment, Lebens- und Berufserfahrung — und macht viel Spaß.

Aus dem E-Buch ein Druckerzeugnis machen.

Aus dem E-Buch ein Druckerzeugnis machen.

Nach der zweiten Aktualisierung und Überarbeitung des Praxisprojekts ist es an der Zeit, die Realisierung einer gedruckten Ausgabe zu prüfen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten vom Komplettpaket als printing on demand bis zum eigenen Druckauftrag. Dazu sind eine Menge kleiner Schritte nötig…

Ein Wunsch…

Auch wenn der Buchhandel schimpft und neue Konzepte seit Johannes Gensfleisch aka Gutenberg (1400 – 1468) praktisch boykottiert, ist nach KDP bei der Recherche der Amazon-eigene Dienst Create Space ein heißer Kandidat für Druck und Vertrieb (PoD). Warum? Amazon läßt dem Autor nach bewährtem Prinzip freie Hand: Entweder kann man alles selbst machen oder nach Bedarf Unterstützung hinzuziehen. Bei allen Vorleistungen, wie Upload, Prüfung oder Speicherung der Daten fallen seitens Amazon vorab keine Kosten an. Dafür langt man später beim Verkauf hin — und doch bleibt beim Autor mehr hängen als beim traditionellen Buchverlag. Ich kann das beurteilen, habe ein halbes Dutzend Bücher mit relativ fairen Konditionen bei echten Verlagen veröffentlicht und trotzdem am Ende das Garantiehonorar meist nur leicht übertroffen (von den Konditionen meinerseits abgelehnter Angebote ganz zu schweigen).

Wie man an den Quellenhinweisen bemerkt, entsteht dieser Beitrag im Laufe mehrerer Monate an Hand tatsächlicher Erfahrungen. Kehrseite ist, daß Umfang und Ausstattung des Buchprojekts variiert und nicht unmittelbar vergleichbar ist — nimm es als Anhaltspunkt und Inspiration. Genannte Firmen und Leistungen sind Stichproben, keine Bewertung/Empfehlung.

Nachdem das E-Buch in drei „Auflagen“ (major release) über rund drei Jahre gereift ist, kann ich das Manuskript nun in eine Druckvorlage übernehmen. Da man in einem Buch auch lockerer (über-) blättern kann, nehme ich auch einen Teil der ausgekoppelten Tipps & Tricks auf. Doch es geht ja nicht nur um die Vervielfältigung, sondern auch um Vertrieb und Inkasso. Auch das ist bei Amazon alles „inklusive“. Auf der anderen Seite steht die feindselige Haltung des „traditionellen“ Buchhandels und möglicherweise konservativer Kunden, die solch ein Buch deshalb nicht ohne weiteres in der nächsten Buchhandlung kaufen können. Das spielt u. U. eine wichtige Rolle.

Warnung: Als Autor bitte nicht auf sog. „Zuschuß- oder Druckkostenverlage“ hereinfallen, die beim Autor für den Druck kassieren — und möglicherweise gar kein Verlag, sondern nur eine Druckerei sind. Dann bleiben Werbung und Vertrieb trotzdem bei dir hängen und außerdem im Keller ein paar unverkäufliche Kartons voller Bücher.

Selfpublisher berichten

Obwohl das finanzielle Risiko beim Selfpublishing deutlich gesunken ist, suche ich nach „Anleitungen“ im Sinne von praktischer Erfahrung. Das ist ganz schön mühselig, denn in diesem Bereich sollte man auf aktuelle Infos achten. „Mein erstes Print-Buch mit Amazons CreateSpace“ ist ein älterer Erfahrungsbericht von 2012, etwas neuer und ausführlicher ist das daraus entstandene „Bücher mit Amazons CreateSpace veröffentlichen. Handbuch, Tipps und Erfahrungen“ als E-Buch bzw. Taschenbuch (ca. 80 Seiten, 2013). Auch die anderen Bücher sind leider nicht immer top aktuell „Buch & E-Book im Eigenverlag publizieren“ (ca. 169 Seiten, 2014) oder „Als Autor mit Amazon CreateSpace Bücher im Selbstverlag veröffentlichen“ (ca. 54 Seiten, 2012). „Selbstverlag mit Amazon: eBooks und Taschenbücher erfolgreich veröffentlichen“ (ca. 91 Seiten, 2016). Keiner scheint sein E-Buch so zu pflegen wie ich (mehrere Aktualisierungen pro Jahr), Jahresangaben sind deshalb unverbindlich, weil sie nur irgendwo an Rande vermerkt sind. Und bei mir geht es außerdem um den „Spezialfall“, daß es ein fertiges E-Buch gibt, das ich möglichst elegant übernehmen möchte.

Auch die Beiträge „Publizieren mit CreateSpace – ein Erfahrungsbericht“ (2012) oder „Selfpublishing: Drucken bei Booksfactory – ein Erfahrungsbericht“ (2014) auf der Website Phantnews sind schon etwas älter, aber frei zugänglich und die Site als solche gepflegt. Da findet man immer mal wieder neue Aspekte, wie beispielsweise „Wortwerke: Buchhandlungen für Bücher von Selbstverlegern und Kleinverlagen“ (2016) — und dann werden leider doch nur Regale vermietet…

Die Qual der Wahl: Bei „CreateSpace und booksfactory im Vergleich“ (2015, Schreibwahnsinn) kommen beide ganz gut weg, wobei Booksfactory beim Eigenbedarf punkten kann. Ein Thread der FB-Gruppe Self Publishing über die Druckqualität bei CS hat mich stark verunsichert: Mehrfach werden verschmutzte und z. T. schlecht geschnittene oder mangelhaft gebundene Bücher bemängelt. Schwachpunkt bei CS scheinen m. E. die unterschiedlichen Druckorte zu sein. Bleibt die Frage, ob sich mit der „Druckoption“ bei KDP etwas ändert.

Druckereien kalkulieren

Auch wenn CS für den Endkundenvertrieb prima zu sein scheint, sind Frei- und Autorenexemplare eine andere Sache (zur Korrektur, Rezension oder für Direktverkauf bei Seminaren usw.). Die Bestellung ist nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern die Qualität oft zu beanstanden wie immer wieder in Kommentaren zu lesen ist. Da lohnt es sich vielleicht doch, für den Eigenbedarf parallel eine Druckerei aufzusuchen. Es gibt „unendlich“ viele Angebote, leider ist auch die Staffelung wenig übersichtlich.

Bei meiner Stichprobe frage ich die Kosten von 50 Exemplaren mit 150 bzw. 300 Seiten A5 in schwarzweiß ab — eine Vollfarbversion ist deutlich teurer, wie sich das mit einzelnen Farbseiten verhält, läßt sich leider nur bedingt abfragen.

  • 150/300 Seiten
  • DIN A5
  • Taschenbuch (Softcover)
  • farbiger Umschlag
  • Papier glänzend
  • keine Extras

Anbei einige Anhaltspunkte meiner eigenen Recherche, als Stichprobe, keine „Empfehlung“ — und leider schon ein paar Tage her, so daß mir einige Details verloren gegangen sind. Aber es vermittelt einen ersten Eindruck, von Kosten und eigenem Aufwand. Am besten gehts du mit deinen konkreten Zahlen direkt auf die betreffenden Webseiten.

Anbieter 50 s/w 150 s/w 150 s/w & 50 Farbe
buchdruck.de

5,41

4,79

6,57

Appl Shop

5,31

5,14

16,69
(komplett)

Wir-machen-Druck

2,45

2,45

Winterwork

7,73

5,60

7,71

Kleingedruckt.net

29,92

33,24

41,40

Tredition*)

7,99

8,99

17,99

Ladenpreis

Brutto pro Buch, Sep./Nov. 2016, alle Angaben ohne Gewähr
(Tredition sind Ladenpreise, siehe Dienstleister).

Buchkalkulator bei Appl Shop.

Buchkalkulator bei „Appl Shop“.

Im Kalkulator wird leider nicht immer eine Staffelung angezeigt -- hier bei Winterwork.

Im Kalkulator wird leider nicht immer eine Staffelung angezeigt — hier hilfreich bei Winterwork.

Inzwischen muß ich deutlich anders kalkulieren, da ich bei einem Probelauf bei DIN A5 mit meinem Buch je nach Umbruch auf rund 600 Seiten komme… DIN A4 erscheint mir zu „labbrig“, „College“-Zwischenformate scheint es nicht immer zu geben. Obwohl Selfpublishing boomt, geht es — zumindest beim Sachbuch — nicht per Klick. Schön wären natürlich auch kleine Extras, wie beispielsweise ein Lesebändchen…

Dienstleister helfen

Da mußt man sich um sich um ganz schön viel kümmern… Die Arbeit wollen dir Dienstleister erleichtern. In Deutschland populäre Dienste vergleicht die Selfpublisherbibel von Mattig: Übersicht „print on demand“, die also nicht nur drucken (wie oben), sondern auch vertreiben:

  • Create Space (Amazon)
  • BoD
  • ePubli

Auch dort stellt sich Farbe leider als Kostentreiber heraus, was gerade für ein Sachbuch wie meines abträglich ist.

Darüber hinaus wird oft Tredition aus Hamburg genannt. Im Gegensatz zu anderen Dienstleistern kümmern sie sich nicht nur um die technische Abwicklung, sondern auch Qualitätskontrolle, Werbung, PR, ISBN oder Rezensionsexemplare. Die Provision: Du bindest dich mindestens ein Jahr non-exklusiv — du darfst also parallel machen was du möchtest — und kaufst entweder 35 Autorenexemplare oder zahlst eine Pauschale von knapp 150 Euro. Das klingt fair und darauf würde ich mich vielleicht auch einlassen — aber: Ich mache ja kein Selfpublishing, weil mich Verlage nicht haben wollen, sondern, weil ich a) bestimmte Themen nicht umsetzen darf und b) selbst bei — branchen(un)üblichen — relativ fairen Konditionen nicht wirklich viel hängen bleibt.

Preiskalkulation für 300 Seiten in Schwarzweißdruck. (Quelle: a. a. O., Nov. 2016)

Preiskalkulation für 300 Seiten in Schwarzweißdruck.
(Quelle: a. a. O., Nov. 2016)

Je nach Format und Umbruch nimmt mein Lightroom-Buch einen Umfang von mindestens 300 Seiten an. Das ergibt laut Preiskalkulator folgenden Preise (Nov. 2016):

Paperback Hardcover E-Buch

Paperback, DIN A5, 300 S. schwarzweiß

Ladenpreis

11,99

20,99

2,99

Shop

1,88

4,93

1,88

Handel

0,73

1,27

1,00

Paperback, DIN A5, 300 S. schwarzweiß, 50 Farbe

Ladenpreis

17,99

26,99

2,99

Shop

3,76

6,80

1,88

Handel

0,94

1,48

1,00

Gewinn-und-„Verlust“-Rechnung

Ausgehend vom Ladenpreis von ca. 12 Euro (21 Euro) bleiben für den Autor 1,88 Euro beim Paperback (4,93 Euro Hardcover), wenn im Onlineshop des Dienstleisters gekauft wird. im „normalen“ Buchhandel sind 0,73 Euro bzw. 1,27 Euro fast nicht der Rede Wert. Dabei sind die in der o. g. Tabelle dabei sogar kalkulatorische Mindestpreise für ein Buch in schwarzweiß. Erst wenn ich den Ladenpreis auf 18 Euro / 29 Euro anhebe, bleiben rund 3 Euro bzw. 4,35 Euro übrig. Üppig ist das nicht. Vielleicht rechnet sich indirekt die Präsenz im Handel. Da manche Leser auf Grund der Propaganda des Buchhandels glauben, sie würden etwas Gutes tun, wenn sie beim „kleinen Buchhändler“ kaufen, dem Autor helfen sie nicht.

Ich entscheide mich, fürs echte Selfpublishing und konzentriere mich auf folgende Punkte:

  • Wie bekomme ich das fertige E-Buch möglichst elegant in eine Textverarbeitung?
  • Bei welcher Druckerei kann ich als engagierter Laie das Buch selbst drucken lassen?
  • Hat Create Space noch eine Chance?

Mehr dazu in Teil 2 meines Erfahrungsberichts vom E-Buch zum Druckerzeugnis.