Vom E-Buch zum Druckerzeugnis (Teil 2)

Mit meinem E-Buch „Lightroom 6 — Das Praxisbuch zum Workflow“ werde ich zwar nicht reich und berühmt, aber es verkauft sich als Selfpublishertitel ganz gut, ist ein Stück weit Experiment, Lebens- wie Berufserfahrung und macht Spaß. Nach der zweiten Aktualisierung und Überarbeitung ist es an der Zeit, den Leserwunsch nach einer gedruckten Ausgabe zu prüfen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten vom Komplettpaket als printing in demand bis zum eigenen Druckauftrag.

Aus dem E-Buch ein Druckerzeugnis machen.

Aus dem E-Buch ein Druckerzeugnis machen.

Wie Teil 1 meines Berichtes zeigt, läßt sich so ein Projekt nicht „nebenbei“ umsetzen. Es ist zwar erstaunlich, was man als interessierte und engagierte Privatperson inzwischen auf die Beine stellen kann, doch — wie immer so schön gesagt — der Teufel liegt im Detail.

Noch immer bin ich dabei, mein schönes ePUB/Mobi in eine Textverarbeitung zu bekommen, möglichst nicht „irgendwie“, sondern als Basis für eine sinnvolle Weiterentwicklung. Und welche Druckerei wirklich etwas taugt werde ich wohl erst erfahren, wenn ich es mit einem echten Auftrag ausprobiert habe.

Druckvorlage: ePUB –> doc –> pdf

Auch wenn ich über den Calibre-Viewer aus dem EPUB direkt ein PDF „drucken“ kann, nützt mir das als Vorlage für die Druckerei recht wenig

  • es muß der Umbruch überarbeitet werden
  • eine bestimmte PDF-Version muß eingehalten werden

So toll Online-Druckereien sind, sie wälzen natürlich die Verantwortung auf den Auftraggeber ab. Das gilt nicht nur für Inhalt und Rechtschreibung. Zwar verweist die Druckerei auf Normen, doch die sagen mir leider (noch) nichts. Leider ist es mit einem der vielen PDF-Drucker nicht getan, da unbedingt Schriften eingebettet und ein paar „Nebensächlichkeiten“ wie „ISO 19005-1“ beachtet werden müssen. Als Hilfe finde ich bei einem anderen Verlag eine kleine PDF-Fehlerliste mit Lösungsansätzen für die Arbeit mit Word oder LaTex .

Auf „besser“ spezialisierte Programme umsteigen möchte ich auch nicht, denn es existiert ja ein mehrfach überarbeitetes und Korrektur gelesenes Exemplar. Auch wenn ich es via KDP als MOBI veröffentliche, liegt die Quelldatei als ePUB vor, weil ich ja mit Sigil arbeite. Für einen E-Buch-Fan ist es naheliegend, das Format mit Calibre umzuwandeln. Es klappt, aber das Layout weicht stark ab und bedarf starker Bearbeitung. In einem weiteren Versuch stoße ich auf den Onlinedienst Convertio, der ein deutlich besseres (Zwischen-) Ergebnis liefert.

ePUB-Dateien in Word-Dokumente umwandeln.

ePUB-Dateien in Word-Dokumente umwandeln.

Bis zu einem gewissen Umfang ist der Dienst kostenlos und für die einmalige Konvertierung völlig ausreichend (max. 300 Megabyte und 25 Minuten Prozeßzeit pro Tag). Dieser Dienst verarbeitet auch AZW3 oder MOBI mit gutem Ergebnis. Wichtig dabei ist, daß nicht nur das FormatvorlagenAussehen übernommen wird, sondern die die CSS des Originals (ePUB XHTML) zu brauchbaren Formatvorlagen übertragen werden, die man weiter benutzen kann.

Automatisch angelegte/übernommene Formatvorlagen in Word.

In dem automatisch verwendeten „Letter“-Format (etwas kleiner als A4) umfaßt mein Buch rund 360 Seiten — bei der Umstellung auf das gewünschte A5-Format wächst es allerdings auf stattliche 600 Seiten… Mein lieber Scholli, damit habe ich nicht gerechnet, weil ich ein „schlankes“ Buch für den schnellen Einstieg konzipiere und ein Dutzend „was ich sonst noch sagen wollte“-Themen bereits weggelassen habe. Aber durch Überarbeitung des Umbruchs — besonders Größe und Ausrichtung der Bilder — kann ich es auf unter 400 Seiten eindampfen.

Obwohl mein Kindle-MOBI auf einem sauberem ePUB basiert und auch die Dateiformate moderner Textverarbeitung auf ähnlichem Format basieren, kann ich das Manuskript trotzdem nicht auf einen Klick übernehmen. Mein initialer Import der zu DOC konvertierten EPUB-Datei bei einer (älteren) Word-Version macht zwar auf den ersten Blick Mut, sogar sinnvolle Formatvorlagen werden angelegt — leider auch mehrere Dutzend für einzelne Worte oder Absätze. Ich bereinige es leidlich von Hand.

Der EPUB-Konverter liefert eine gute DOC-Vorlage.

Der EPUB-Konverter liefert eine passable DOC-Vorlage.

Sogar ein Inhaltsverzeichnis läßt sich wie gewohnt erstellen, das Stichwortverzeichnis leider nicht — das bedeutet Fleißarbeit.

Word –> Writer

Leider sind die Möglichkeiten in (meinem nicht ganz taufrischen) Word ein Buch zu produzieren begrenzt. Vor allem in der Doppelseitenansicht stört mich, daß Seite 1 links angezeigt wird, was für die Beurteilung des Umbruchs unpraktisch ist. So wechsele ich — zunächst versuchsweise — zu Libre Office, immer wieder heiß empfohlen und vor allem ohne die blöden „Ribbons“ (in der neuesten Version zuschaltbar). Ich bin optimistisch, daß der Wechsel mich weiter bringt. Ich mache allerdings den Fehler, statt im hauseigenen ODT weiterhin als DOC zu speichern. Leider merke ich erst beim nächsten Öffnen, daß die Formate nicht wirklich kompatibel sind. Das Ergebnis: vor allem die Seitenaufteilung wird mit mehreren Hundert festen Seitenumbrüchen für linke und rechte Seiten „eingebrannt“. Auch das Inhaltsverzeichnis u. a. produzieren erneut eine Flut kryptischer Formatvorlagen. — Wieder stundenlange Nachbearbeitung, erstmal keine Erleichterung.

Ich bleibe dann trotzdem bei Libre Office und dem hauseigenen ODT. Es ist immer schwierig, parallel mit ähnlichen Programmen zu arbeiten, aber langsam gewöhne ich mich an LO. Es bietet als Textverarbeitung(!) für den Buchdruck erheblich bessere praxisnahe Funktionen: so ist es zum Beispiel möglich, der Ü1 nicht nur einen Seitenumbruch mitzugeben, sondern auch das Attribut „rechte Seite“, so daß Kapitel immer wohl plaziert anfangen. Bei Bedarf werden automatisch entsprechend Leerseiten eingefügt. Bei der Ü2 nutze ich dann nur den Seitenumbruch. Nach stundenlanger Bearbeitung nähere ich mich einem inhaltlich wie technisch druckfähigen Manuskript.

Doppelseiten

Libre Office: Echte Doppelseiten korrekt plaziert.

Warum wechsele ich nicht auf ein Layoutprogramm? Mir ist der Inhalt wichtig und ich möchte das Buch auch immer inhaltlich weiterentwickeln können und dabei in einer Datei bleiben, weil es schon jetzt Unterschiede gibt. Die Vorteile von Layoutprogrammen/DTP sind bei solch einem Projekt eher hinderlich: Umfließen von Grafiken usw. bringt im E-Buch Probleme. Der Seitenspiegel eines Buches sollte deutlich einfacher aufgebaut sein als bei einer Zeitschrift, Spalten usw. werden nicht benötigt (kann die Textverarbeitung aber auch).

Plugin-Export nicht ganz einfach...

Plugin-Export nicht ganz einfach…

Langfristig hoffe ich, im umgekehrten Weg über ein Plugin einen brauchbare ePUB-Export zustande zu bringen, damit ich nicht immer zwei Manuskripte pflegen muß. Aber schon jetzt ist klar, daß dies „nie“ automatisch gehen wird, da ich beim eBook stark eine interne und vor allem auch externe Verlinkung nutze, die im Printbuch so nicht darstellbar ist… Und natürlich habe ich im Umbruch für den Druck manches Bild oder umfangreiche Tabelle verschoben, damit die Form paßt. Wie der erste Test zeigt, klappt auch das nicht auf Knopfdruck, aber wer sich via Sigil an den „Quellcode“ rantraut, kommt doch noch zum Ziel. — Dazu gibt es später noch zwei separate Praxistests…

Praxis-Test: Wir machen Druck

Nachdem ich eine Weile in Gruppen/Foren zu Dienstleistern mitgelesen habe, scheinen mir BoD (books on demand) und besonders CS (create space) zum Teil erhebliche Liefer– und Qualitätsprobleme zu haben. Also will ich doch erstmal „selbst drucken“, wenn damit auch ein bundesweiter Vertrieb wegfällt. Momentan plane ich eher als Seminarunterlage für Vorträge und kann es dann persönlich überreichen.

Obwohl der erste Eindruck mit den kostenlosen Visitenkarten nicht 100prozentig überzeugt, entscheide ich mich für „Wir machen Druck“, weil gerade kleine Auflagen sehr günstig sind und das Backend recht gut auf Die Preisstaffel ist jederzeit ersichtlich. (Quelle: Wir machen Druck) Endverbraucher ausgelegt ist. Als Alternative behalte ich „Booksfactory“ aus Polen im Hinterkopf, die ihr Geschäft auch auf deutsche Kunden ausrichten. Irgendwo/-wie muß man ja anfangen und man geht sowieso in Vorleistung.

Die Preisstaffel ist jederzeit ersichtlich.
(Quelle: Wir machen Druck)

Die Druckvoraussetzungen sind bei Wir machen Druck im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern überschaubar gehalten — ist das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Dabei kommt mir der Wechsel zu LO zu Gute, weil es direkt den Export als „PDF/A-1a ISO 19005-1“ erlaubt — und wie sich später herausstellt, dies genau richtig ist.

Die Recherche für Ausstattung und Seitenzahl (immer durch vier teilbar, komischer Preissprung bei 75 Exemplaren) klappt in meinem Standardbrowser Google Chrome problemlos. Überraschung: Das Upload-Formular funktioniert leider nicht in Chrome, steige kurzzeitig auf Firefox um (Update: Problem scheint inzwischen behoben). Buchblock und Cover werden in zwei getrennten Dateien hochgeladen. Auch hier wieder nur die wesentliche Information: Für das Cover, Seitenformat plus berechneter Buchrückenstärke sowie der Buchblock mit Beschnittrand und kompletten Umbruch als PDF abliefern. — Alles in deiner Verantwortung, außer bei unübersehbarem Chaos (da gibt es wohl doch eine Rückfrage). Wer unsicher ist, kann einen Expertencheck dazubuchen.

Zum Schluß eine unerfreuliche Überraschung: Einerseits wirbt „Wir machen Druck“ mit „keine versteckten Kosten“ — Rechnung bezahlen kostet Geld... (Wir machen Druck)dann kostet das Bezahlen etwas, was man leider erst erfährt, wenn die Bestellung praktisch schon auf dem Weg ist!

Rechnung bezahlen kostet Geld…
(Quelle: Wir machen Druck)

Für das Bezahlen einer Rechnung eine Gebühr zu verlangen sind doch versteckte und vor allem unübliche Kosten — und Bitcoin und Sofortüberweisung sind doch keine echte Alternative. Das ist nicht schön…

Wer hat schon Bitcoins und bei Sofortüberweisung muß man die kompletten Zugangsdaten(!) für das Girokonto angeben, ähnlich einem „man in the middle“-Angriff auf Konten — das ist nicht vertrauenswürdig.

Wenn man Sofortüberweisung einmal als Zahlungsweg eingegeben hat, kann man dies leider nicht mehr ändern (jedenfalls finde ich keine Möglichkeit dazu). Ich storniere den Auftrag, überlege, und gebe Wir-machen-Druck eine zweite Chance, damit es endlich weitergeht.

Auftrag: Als erstes ist mein Notizbuch zu Mogrify dran: 92 Seiten A5 in schwarzweiß, farbiger Umschlag: Am 13.1.2017 (15.00 h) lade ich die Daten erneut hoch, bezahle mit Kreditkarte — und muß dafür 1,90 Euro Gebühren zahlen… Als Liefertermin wird der 24.1.2017 genannt. — Ich bin gespannt. Es folgt eine Auftragsbestätigung und am 20.1.2017 um kurz nach 8.30 h die Meldung „Auftrag abgeschlossen und versandt“.

Lieferung am 21.1.2017 — bombig, drei Tage schneller und noch vor dem Wochenende. Erster Eindruck: sehr gut verpackt, Füllhöhe mit Papplagen aufgefüllt, damit nichts durcheinanderfällt, denn angestoßene Ecken sind bei Büchern nicht akzeptabel! Obwohl ich schon mehrfach solche Kartons mit Lieferung von Autorenexemplaren geöffnet habe, ist dies ein besonderer Moment, denn diesmal habe ich ja auch das Cover selbst gestaltet und die technischen Vorgaben der Druckerei umgesetzt. Mir klopft schon ein bißchen das Herz als ich die Schutzfolie entferne. „Zur Sicherheit“ begutachte ich noch einmal das Cover — alles in Ordnung. Ich schlage das Buch auf, wie man eben ein Buch aufschlägt: super, auch der Innenteil sieht wie ein „richtiges Buch“ aus.

Zweite Chance für CS…

Ich sage ja selbst oft genug „es muß nicht entweder/oder“ sein. Für Eigenexemplare bleibe ich beim „Selberdrucken“, da weiß ich, daß die Qualität stimmt, muß nicht ewig auf Autorenexemplare warten und bin bei der Preisgestaltung flexibel. Doch damit erreiche ich nur „Direktkunden“ und maximal Deutschland. Wenn ich auch nach meinen Recherchen von CS nicht gerade begeistert bin, es wird den Kundenkreis zu akzeptablen Bedingungen erweitern — ich bin ja in erster Linie Autor und kein Buchvertrieb. Außerdem habe ich nun schon einige Erfahrung mit Vorbereitung der Druckdaten sammeln können.

Obwohl es inzwischen auch beim für E-Books bewährten KDP eine Print-Rubik gibt (auf die man im KDP-Backend penetrant hingewiesen wird), wird es voraussichtlich bei Create Space bleiben, wie u. a. der Vergleich der Selfpublisher-Bibel zeigt: Es gibt zwar weniger Keywords und Kategorien zur Einordnung, aber mehr Buchformate, ein Proof und schnellere Bezahlung. Außerdem werden Druckausgaben automatisch neben meinem E-Buch angezeigt, das sehr populär ist. — Dazu später mehr.

Fazit

Wie man an den vielen Zwischenschritten sieht, läßt sich das Projekt leider nicht auf Knopfdruck erledigen. Vielleicht klappt das bei reinen Textdokumenten wie Romanen, aber bei einem Sachbuch mit Bildern, Infokästen sowie interner und externer Verlinkung müssen viele Details zumindest überprüft werden. Eine automatische Umwandlung der manuell optimierten ePUB-Datei zu DOC o. ä. scheint nur auf den ersten Blick erfolgreich, zu viele Details müssen korrigiert werden.

Beim nächsten Versuch werde ich die Druckvorlage umgekehrt in ein ePUB/MOBI exportieren, und mal sehen was dabei rauskommt. Auch das wird vermutlich kaum auf Knopfdruck möglich sein. Wir werden sehen.

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