Welche Software, um ein E-Book zu schreiben? [Update 2]

Beim Thema E-Book geht es nicht nur darum, ob ein Buch auf Papier gedruckt oder als Ein E-Buch schreiben, das Spaß macht.Datei publiziert wird. Insbesondere Amazon hat erkannt, daß dies auch neue Themengebiete, Kunden und Autoren erschließt, was sich im Kindle Direct Publishing wiederspiegelt (KDP). Zwischenzeitlich erleben „Printing on Demand“-Dienste eine Blüte, erfordern aber immer noch eine finanzielle Vorleistung. Als Autor kann man endlich über das Thema schreiben, das die Verlage als „gate keeper“ immer wieder ablehnen.

Ein E-Buch schreiben,
das Spaß macht.

Jetzt ermöglicht das elektronische Publizieren eine fast risikolose Möglichkeit — wenn man sich mit dem Drumherum und Computerdingen auskennt. Doch neben inhaltlichen Aspekten stellt sich eine ganz andere Frage: Wie erstelle ich ein E-Buch aus technischer Sicht?

Um es vorweg zu nehmen: Nein, ein PDF ist kein E-Buch. Dieses Format ist vielmehr für den teilw. nicht so guten Ruf von E-Books verantwortlich, weil es sich mit echten E-Book-Readern schlecht verträgt (ärgerlich, daß allwissende Verlage aber genau das immer wieder als „E-Buch“ anbieten). Auch TXT-, HTML- oder CHM-Hilfe-Dateien sind nur ein Kompromiß für den stationären PC.

Wenn man ein E-Buch erstellen möchte, an dem der Leser Spaß hat, muß es im Format ePUB oder MOBI sein — letzteres heißt auf dem Kindle AZW. Nur mit diesem Format kann man die Vorteile eines modernen E-Buch-Geräts nutzen: Schriften vergrößern, Lesezeichen nutzen, Textstellen markieren, Inhaltsverzeichnis nutzen. Weil diese Formate auf HTML-Technik basieren, sollte es doch kein größeres Problem sein. Leider ist es dann doch nicht so einfach.

Hier geht es wegen eines konkreten Projektes zwar viel um den Kindle und MOBI/AZW, aber die grundsätzlichen Überlegungen gelten auch für andere Reader bzw. EPUB.

Wenn man einen Roman o. ä. veröffentlichen möchte, hat man es grundsätzlich etwas leichter. Dort geht es nur um sehr viel Text, ein paar Kapitelüberschriften sowie ein Inhaltsverzeichnis. Das kann man als geübter Nutzer vielleicht sogar händisch in einem HTML-Editor zusammenbasteln. Schwieriger wird es allerdings bei einem Fachbuch, wo Abbildungen, interne und externe Verlinkungen, Infokästen, verschachtelte Gliederungen und vielleicht noch ein Index hinzukommen — da wünscht man sich auch als fachkundiger Autor ein wenig Unterstützung. Abschreckende Beispiele gibt es leidergenug.

Webcontent via WordPress-Plugin

Ein Blog dient auch dazu, Informationen zu sammeln und ständig zu ergänzen. Erreicht man eine „kritische Masse“, lohnt es sich eventuell, viele Einzelinformationen zu einem längeren Bericht oder sogar einem Buch zusammenzufassen. Zum Beispiel alle Lightroom-Workshops oder Empfehlungen nützlicher WordPress-Plugins.

In „WordPress: Mit Anthologize per Klick zum E-Book“ berichte ich über einen vielversprechenden Ansatz, aber leider scheint es dort keine Weiterentwicklung zu geben. Auch das Projekt „WordPress2eBooks“ bei Twittwoch scheint eingeschlafen zu sein. Die WordPress-Plugins „wp2epub“ und „Read Offline“ decken anscheinend nur einzelne Beiträge ab, was ein gesammeltes (Buch-) Projekt nicht wirklich weiterbringt. Geht es nur ums Lesen auf einem E-Book-Reader, ist man mit universellen Plugins bzw. Bookmarklets oft besser bedient.

E-Buch per Online-Dienst

Natürlich gibt es auch spezielle Online-Dienste. Sie basieren nicht selten auf bekannten CMS, verwenden aber selbst entwickelte und nicht frei verfügbare Plugins. So funktionieren sie u. U. besser als das selbstgehostete WordPress, aber man muß die Texte einpflegen und verliert einen Teil der Kontrolle darüber.

Pressbooks basiert auf WP, die Plugins sind aber nicht frei verfügbar. Bis zu fünf Bücher kann man kostenlos bearbeiten, danach wird es abgestuft kostenpflichtig. Das Blog E-Book-News hat im Beitrag „E-Books online erstellen mit Booktype & Pressbooks“ genauer hingesehen (Teil 2),

Booktype ist eine speziell für kollaboratives Schreiben entwickelte Software (Teil 1). Man kann sich die Software auch auf dem eigenen Server installieren. Aber weiter hinter im Konzept lauert „Premium“ und das bedeutet Kosten ab 16 US-Dollar/Monat.

Ebookmakr (ein deutsches Projekt) bietet neben völlig neuen Projekten auch den Import von Blogs an: WordPress, Blogger, Typepad und Tumblr.

Um beispielsweise ein WP-Blog zu importieren, muß man dort zuvor ein Plugin installieren und einen API-Key eingeben (die Installation über Plugin Directory scheitert, manueller Upload klappt). Es gibt dann einen eigenen Menüeintrag, in dem man eine Artikelauswahl nach Kategorie, Tag (Stichwort) oder Autor machen kann. Letztlich wird dann aber zur Ebookmakr-Website exportiert… Was dann bei Ebookmarkr ankommt, kann weiter bearbeitet werden.

Ebookmakr: Kapitelreihenfolge festlegen.

Ebookmakr: Kapitelreihenfolge festlegen.

Überraschenderweise werden meine h3-Zwischenüberschriften als Unterpunkte eingepflegt, meine CSS für Bildunterschriften leider nicht berücksichtigt, so daß später „in der Gegend rumstehen“. Im Inhaltsverzeichnis (TOC) kann man die Reihenfolge per drag & drop bearbeiten. Über „Add“ können Teile importiert werden. Es gibt eine Anleitung — und sie ist als E-Book angelegt, kann also bequem auch auf dem Kindle gelesen werden. Schade, daß es als deutsches Projekt durchgängig auf Englisch angelegt ist — bis auf die AGB!

Knackpunkt ist (bisher) der sehr hakelige der Export aus dem ursprünglichen Blog, aber insgesamt ein vielversprechender Ansatz. Drei Bücher können kostenlos angelegt werden, später sollen kostenpflichtige Funktionen und ein Direktvertrieb hinzukommen.

Zinepal importiert eine Website über die URL, ist also vom CMS oder einer „handgestrickten“ Website unabhängig. Berücksichtigt standardmäßig nur neuere Posts, kann aber per Bookmarklet „nachladen“. Als Output gibt es PDF, ePUB oder Kindle, automatischer Versand als E-Mail oder autom. Veröffentlichung auf Scribd möglich. In der „free“-Version leider arg begrenzt (ein „Buch“ mit fünf Beiträgen).

  • PDF, ePub, Kindle and Mobipocket eBooks
  • Images and formatting included
  • Delivery on a set schedule
  • Edit and format your stories
  • Select paper size and layout
  • Add logo and advertising images
  • Save your own templates
  • Publish to Scribd
  • Free from Zinepal branding
  • Maximum stories in your eBooks

Auch bei den Online-Tools kann ich nur begrenzt von meiner Vorleistung in Form meiner eigenen Blogs oder Textdateien profitieren. Ich müßte dort nicht nur vieles neu einpflegen oder nachbearbeiten. Darüber hinaus büßt man auch die Hoheit über die Daten z. T. ein und es später „Premium“-Kosten an. Und keines der Tools bietet bisher eine Rundumsorglos-Lösung…

E-Book per Textverarbeitung

Auch Amazon empfiehlt, doch einfach in der gewohnten Textverarbeitung wie MS Word zu schreiben. Das hat immerhin den Vorteil, daß man sich auskennt und viele hilfreiche Funktionen wie Rechtschreibkontrolle oder Gliederung nutzen kann. Man kann einerseits Word-Dokumente direkt in KDP hochladen, andererseits z. B. als HTML exportieren. Das scheint doch eine tolle Möglichkeit zu sein — hat aber auch Nachteile: Wenn es sich nicht um einen Roman handelt, werden die Dateien deutlich größer als optimal angepaßte — und ab einer gewissen Größe wird man an den Transferkosten für Whispernet beteiligt. Außerdem ist der HTML-Export von Word m. E. grauenhaft und zur Weiterbearbeitung kaum zu gebrauchen.

Bei OpenOffice findet sich die Extension „Writer2ePub„. Der Autor verspricht, daß sich damit hochwertige EPUBs erstellen lassen und es sich nicht um einen simplen Konverter handelt. Nachteil (für mich): 1) Müßte ich mich in Open Office einarbeiten und vorhandene Text importieren (was trotz Filter nicht immer einwandfrei funktioniert) und 2) erfordert das Ausgabeformat ePUB für den Kindle eine zusätzliche Konvertierung.

Einen Schritt näher an den technischen Unterbau gelangt man, wenn man gleich einen speziellen Editor verwendet. Immer wieder genannt wird Sigil, kostenlos, für mehrere OS verfügbar und ebenfalls für ePUB ausgelegt (schade, daß man die Anleitung nicht konsequenterweise als E-Book herunterladen kann). Perun — ebenfalls Kindle-Fan — hat das Tool bereits unter die Lupe genommen, findet es gut, aber es erzeugt große Dateien. Es gibt noch eine Klickanleitung sowie Hintergrundwissen bei „ePub eBook Resources „.

Einen Schritt weiter in Richtung Hardcore geht die Empfehlung µWriter bei Spacejock (Windows): Gleich in einem Editor schreiben und dort „sauberes HTML“ als Grundlage für ein E-Book exportieren. Die Entwickler empfehlen bei vorhandenen Dokumenten den Zwischenschritt via RTF (Word/OpenOffice > yWriter5 > Calibre > Ebook Reader).

Desktop-Tools zur Bearbeitung

Obwohl Mobipocket seit der Übernahme durch Amazon eigentlich „weg vom Fenster“ ist, Mobipocket Creator (Quelle: a. a. O.)findet man noch einige Tools — eigentlich sollten sie kompatibel sein.

Mobipocket Creator (Quelle: a. a. O.)

Dort findet sich der „Creator 4.2„. Diese Software könnte die Lösung sein (Windows) — ob es noch alles funktioniert? Grundlage können Word-, PDF-, TXT-, HTML oder CHM-Dateien sein, online werden die wichtigsten Funktionen vorgestellt.

Jutoh: Ohne kostenpflichtige Registrierung (40 bis 80 US-Dollar) leider nur eine Demo, dafür aber für Linux, MacOS und Windows verfügbar — letztere sogar als portable App. Das Programm importiert HTML, text, DOCX, ODT und Epub. Als Output ist es wohl primär auf EPUB ausgelegt und nutzt für MOBI die Kindlegen-Application.

Calibre dürfte wohl eines der bekanntesten Tools im Umfeld von E-Buch-Publishing sein. Es ist kostenlos für alle wichtigen Betriebssysteme verfügbar und wird intensiv gepflegt — kaum ein Programmstart ohne Update-Hinweis. In diesem Zusammenhang ist es aber einfach „nur“ ein Konverter, um aus fremden Formaten ein MOBI oder EPUB zu generieren (sofern kein DRM dazwischen funkt). Darüber hinaus dient es der Verwaltung der E-Buch-Bibliothek, kann Gruppieren oder fehlende Titelbilder ergänzen.

Wenn es nur um Konvertierung geht, ist Hamster das einfachste Tool: Die Dateien einfach nur per „drag & drop“ auf das Programm ziehen und das gewünschte Zielformat auswählen. Unterstützt werden Sony, iRiver, Amazon, Kobo und andere eBook-Reader.

Ein bißchen experimentieren werde ich mit ZIMwiki, weil es Information „chaotisch“ sammeln kann. Da die Texte „flat file“ in HTML-Dateien gespeichert werden und ein entsprechender Export zur Verfügung steht, könnte man es vielleicht als Grundlage für ein neues Projekt verwenden — wenn auch mit aufwendiger Nachbearbeitung und entsprechendem Fehlerpotential. Es ist aber auch sonst ein interessantes Konzept.

Fazit: E-Buch selbstgemacht.

Egal wie man dreht und wendet, es gibt immer einen Haken:

  • Die WP-Plugins — die meinem Projekt zu Gute kommen würden — funktionieren bei weitem nicht fehlerfrei, werden z. Zt. aber nicht weiterentwickelt.
  • Die Online-Tools — die z. T. ebenfalls auf CMS basieren — sind etwas besser, aber man gibt Kontrolle und Inhalte komplett aus den Händen. Außerdem muß man alle Inhalte neu einpflegen oder stark nachbearbeiten.
  • Die Textverarbeitungen behandeln das Thema E-Buch ebenfalls noch recht stiefmütterlich, haben keine integrierten Funktionen dazu. Lediglich Open Office bietet ein von Extern entwickelte Extension (Plugin), sonst ist man auf Konvertierungstools angewiesen.
  • Desktop-Tools gehen i. d. R. davon aus, daß „schon etwas“ vorhanden ist, das man weiterbearbeiten kann. Einfache Konvertierung funktioniert zwar, macht die Dateien aber unnötig fett — das kann im KDP-Abrechnungsmodell zu deutlichen Nachteilen führen.

Andererseits sind echte Autoren-Tools noch rar, sehr speziell oder in die Jahre gekommen. Wer ein optimales Ergebnis erzielen möchte, muß also noch eine Menge „Grundlagenforschung“ betreiben (siehe auch Snook ). Egal für welchen Weg man sich entscheidet, man sollte immer die „Gegenprobe“ machen: Wie verhält sich das Ergebnis wirklich? Dazu kann man sich die erzeugten Dateien in diversen Software-Reader ansehen, die speziellen Kindle-Tools verwenden — am besten ist m. E. ein echter E-Book-Reader, auf den man die Dateien probeweise kopieren kann.

[Update 1]

Obwohl Ebookmakr einen vielversprechenden Ansatz hat, braucht man nicht weiter darüber nachzudenken: Wie ich zufällig über Twitter erfahre, wird die Plattform Ende Februar 2013 eingestellt.

Das Projekt wird eingestellt...

Das Projekt wird eingestellt…

Schade, denn im Grunde genommen ist das der richtige Weg: Die geringeren Kosten und Hindernisse erlauben die Erprobung einer Idee als kostengünstiges E-Buch. Und wenn es erfolgreich ist, kann eine gedruckte Version mit geringerem Risiko als sonst einen weiteren Markt erschließen.

[Update 2]

Bei MobileRead gibt es den Beitrag „Book authoring software„. Interessant — aber von mir noch nicht getestet — scheinen folgende Programme:

  • Scrivener, akzeptiert als Input RTF, DOC, DOCX, ODT oder TXT, als Output ePUB und MOBI (Kindle). Das Programm ist für Windows und Mac OS erhältlich, kostet aber 40 US-Dollar (wie weit die kostenlose Demo taugt, habe ich nicht überprüft). Es schint mir aber eher ein Programm zu sein, daß primär die Entwicklung einer Geschichte mit Notizen für Personen und Orte unterstützen will, für mich als Sachbuchautor weniger interessant.
  • Atlantis Word Processor ist sehr umfangreich und sieht auch nach Textverarbeitung aus, auch als portables Programm verfügbar (Windows). „Save as eBook“ scheint sich nur auf EPUB zu beziehen.
  • Ans Eingemachte geht’s mit AsciiDoc: Text wird als „ASCII“ geschrieben und mit Wiki-ähnlichen Auszeichnungen formatiert. Der Output soll HTML,PDF oder EPUB sein; für Linux und Windows.

 

Wer bereits erfolgreich ein E-Buch erstellt und veröffentlicht hat, kann dazu gern als Gast einen „Erlebnisbericht“ schreiben.

8 Gedanken zu „Welche Software, um ein E-Book zu schreiben? [Update 2]“

  1. Hello,
    you said:
    Nachteil (für mich): 1) Müßte ich mich in Open Office einarbeiten und vorhandene Text importieren (was trotz Filter nicht immer einwandfrei funktioniert)
    True, but OpenOffice/LibreOffice offers some powerful features unavailable in MSWord, like the Navigator or the Style Handling (and, obviously, the programming!)
    und 2) erfordert das Ausgabeformat ePUB für den Kindle eine zusätzliche Konvertierung.
    Not true: in the latests versions W2E exports also in Mobipocket/KF8 with the link to Kindlegen (to download separately) This because I believe that a Publisher/Self Publisher needs to reach all readers.
    Thanks to mentioning W2E!
    Luke

    1. Hallo Luke, vielen Dank für den Kommentar!

      Auf Open Office werde ich nicht so leicht umsteigen, zu gut kenne ich mich in Word aus und habe Tausende von Texten damit geschrieben.

      Da ich das Thema E-Book zur Zeit aber an einem echten Manuskript erprobe, werde ich das Plugin auf jeden Fall einmal ausprobieren — die Erweiterung auf Kindle/AZW ist natürlich ein guter Grund dazu.

      Gruß, Thorsten L.

  2. Pingback: Auf dem Weg zum E-Buch — aus einem Word-Dokument. | Oberlehrer
  3. Pingback: Ein Buch bei Amazon KDP veröffentlichen | Oberlehrer