Sigma DP1s im Praxistest

Als ich bei Sigma nach einer Teststellung frage, reicht mir eine DP1 oder DP2 — bekommen habe ich beide. Ich will ja nicht meckern, aber inzwischen verstehe ich, woher die Großzügigkeit kommt: Es sind beides nicht mehr aktuelle Modelle. Während bei der Sigma DP2 der Nachfolger DP2s heißt, ist es leider kein Grund zur Freude, daß die andere Kamera eine DP1s ist — weil dort das aktuelle Modell DP1x heißt. Auch sonst kann man aus der Typenbezeichnung nur bedingt Rückschlüsse auf die jeweilige Ausstattung ziehen — es gibt anscheinend auch eine DP1 ohne zusätzlichen Buchstaben, die bei Amazon z. Zt. ca. 550 Euro kostet (es ist allerdings nicht mein Ziel dies alles auseinander zu fummeln, man sollte bei einem eventuellen Kauf nur darauf achten).

Sigma DP1s mit optionalem Blitzgerät und Streulichtblende

Sigma DP1s mit optionalem Blitzgerät und Streulichtblende

Die zur Verfügung gestellte DP1sAusrüstung kommt ähnlich vornehm daher wie die zuvor getestete DP2 und ist ihr zum Verwechseln ähnlich. Der aktuelle Preis bei Amazon liegt allerdings bei deutlich unter 300 Euro (Listenpreis 500 Euro).

Auch dies ist ein „subjektiver Erfahrungsbericht“, ohne optische Meßbank usw. Rein technische Bewertung machen andere viel besser, dort findet sich beispielsweise auch eine kurze Erläuterung zu dem speziellen Sensortyp Foveon X3 (siehe z. B. dpreview, ohne „s“…). Stattdessen habe ich sie mitgenommen und Bilder gemacht, wie ich es seit Jahren mit den unterschiedlichsten Kameras erfolgreich tue. Handhabung und Bewertung sind eine subjektive Einschätzung (man kann gern über die Kommentare gern konstruktiv korrigieren). Es besteht eine gewisse Ähnlichkeit zur DP2, weshalb sich einige Sätze gleichen — allerdings liegen doch viele Unterschiede im Detail.

Was findet sich unter der Haube?

Zunächst kurz zum Sensor: Es ist wie in der DP2 ein FOVEON X3 (CMOS) mit den physikalischen Abmessungen von 20,7 x 13,8 mm, was etwa APS-C einer digitalen Spiegelreflex entspricht. Die Pixelzahl beträgt allerdings nur 2.652 x 1.768 was mageren ca. 4,6 Millionen entspricht. Da bei diesem speziellen Sensortyp allerdings jeder Pixel alle Farben erfassen kann, argumentiert Sigma, daß man eigentlich mit ca. 14 Millionen Pixel vergleichbar sei. Bei knapp 3 Megabyte großen JPG-Dateien (Einstellung „fein“) darf das bezweifelt werden, aus den ca. 11 MB großen RAWs kann man vielleicht mehr herausholen.

Bilder werden in drei JPG-Qualitätsstufen sowie RAW aufgezeichnet (Bearbeitungssoftware dazu mitgeliefert). Die Lichtempfindlichkeit läßt sich für JPG zwischen 100 und 800 ISO einstellen. „Seiten“-Angaben beziehen sich auf die mitgelieferte Anleitung.

Foto & Film

Die Funktions- und Belichtungssteuerung ist überschaubar: P für Programm, A für Zeitautomatik, S für Blendenautomatik und M für manuelle Einstellung sowie noch ein Kamerasymbol. Der Bereich der Verschlußzeiten beträgt 1/1.000 bis max. 15 Sekunden, kein „B“-Modus. Dafür gibt es eine Belichtungsreihenautomatik (Seite 61): Damit kann man entweder nach dem „Gießkannenprinzip“ an die optimale Belichtung herantasten oder sie als Grundlage für einfache DRI-Bilder verwenden. Einstellbar sind maximal +- 3 Blenden in Drittelstufen.

Der Autofokus arbeitet per Kontrasterkennung, was schon von Prinzip nie super schnell geht. Die Kamera hat aber die Eigenart beim Fokussieren das Bild außerdem noch „einzufrieren“, was besonders bei Aufnahmen von bewegten Objekten irritiert, da die anschließend versetzt im Bild auftauchen. Auch nach der Aufnahme braucht es deutlich Zeit, bis die Sanduhr verschwindet. Sigma DP1s mit Aufstecksucher Ungewöhnlich dagegen: Man kann manuell auf „unendlich“ einstellen oder sogar eine komplett manuelle Fokussierung aktivieren, wobei ein Drehrädchen zum Einsatz kommt (Seite 47). Die Naheinstellgrenze liegt bei ca. 30 cm.

Sigma DP1s mit Aufstecksucher VF-11

Trotz des großen Sensors bietet die Videoaufnahme nur QVGA mit 320 x 240 Pixel bei 30 Bilder/s (sogar noch auf 320 x 212 beschnitten, Seite 93). Eine Fokussierung während der Aufnahme ist nicht möglich („Fixfokus“ mit manueller Umschaltung). Die Aufnahmezeit ist „unbegrenzt“ bis die max. Dateigröße von 2 Gigabyte (lt. Anleitung sind das 60 Minuten) oder 99 Minuten erreicht ist. In der Praxis ist eine Beschränkung dieser Größenordnung selten von Nachteil, weil einzelne Szenen meist deutlich kürzer sind. Bei meinen Probeaufnahmen ergeben sich trotz der Minimalanforderung Aussetzer…

Das in der Anleitung (Seite 64, ohne „s“!) genannte Digitalzoom habe ich nicht gefunden (und natürlich auch nicht wirklich vermißt) — stattdessen wird eine Neubelegung der Zoom-Tasten, die es bei allen Modellen gibt, angeboten.

Funktionen & Zubehör

Einen Anschluß für einen Fernauslöser gibt es nicht, dafür kann man notfalls den Selbstauslöser mit wahlweise 10 oder 2 s Vorlauf verwenden. Den bei der DP2 erwähnten Intervalltimer, scheint es allerdings nicht zu geben. An der Kamera gibt es nur einen kombinierten USB/AV- sowie einen Strom-Anschluß, an den man ein externes Netzgerät anschließen kann.

Der Blitz ist ebenfalls verdeckt eingebaut und wird per Schiebeschalter zugeschaltet. Dabei schießt er mit Schmackes aus dem Gehäuse — wirkt schon etwas primitiv. Sigma bietet auch einen Aufsteckblitz EF-140 DG, der mit Leitzahl 14 (ISO 100) auch nicht besonders helle ist. Immerhin bietet der Blitzschuh die Möglichkeit auch andere Blitzgeräte aufzunehmen — wenn man keine technischen Schwestermodell Sigma DP2 mit Aufsteckblitz Sperenzchen braucht, erledigt der 20 Jahre alte Metz Mecablitz per X-Sync das Blitzen viel besser, wenn es von den Größenverhältnissen her auch ein wenig skurril wirken mag.

Schwestermodell Sigma DP2 mit Aufsteckblitz

Optional gibt es auch einen externen Sucher VF-11, der das Display überflüssig machen soll, aber leider nicht mehr als eine Zielhilfe ist: Ein Leuchtrahmen mit festen Parallaxenmarken, keine Einstellhilfen, keine Belichtungsinformationen, noch nicht einmal ein primitives „OK“-Lämpchen — weshalb der Zubehör ist und lt. Liste 170 Euro kosten soll, ist mir schleierhaft (bei Amazon z. Zt. ca. 140 Euro). Eine Streulichtblende ist sinnvoll, aber leider auch hier „optional“ für satte 20 Euro. Außerdem wächst allein der Objektivtubus auf stolze 5,5 cm, so daß die Kamera alle andere als kompakt ist. Bemerkenswert die optionale Dauerstromversorgung (SAC-3, optional), die über eine normale Anschlußbuchse am Gehäuse möglich ist.

Testaufnahmen

Ich gebe zu, ich hatte keine Lust zu systematischen Testaufnahmen, zumal mir die DP1s noch weniger als die DP2 zusagt. So ist mir ein Weitwinkel zwar sehr sympathisch, doch wenn man mindestens 30 cm Abstand halten muß, kann man noch nicht einmal einen Blumenstrauß formatfüllend ablichten. Bei einzelnen Bildern sind Schärfe und Farben so mißlungen, daß hier auf eine Wiedergabe verzichte damit man mir nicht böse Absicht oder Unfähigkeit unterstellt.

Fazit

Die Kamera wird m. E. — leider — des höherwertigeren Anspruchs nicht gerecht und fällt gegenüber der DP2 weiter ab: Weniger ISO, lichtschwächeres Objektiv, Belichtungszeit nur 1/1.000, kein Intervalltimer. Testbilder haben noch größere Schwankungen bei Farbe und Kontrast, ich persönlich habe inzwischen Zweifel an der Foveon-Idee…

Optik: Der Verzicht auf ein aufwendiges Zoom sollte eine besonders kompakte Bauform sowie ein besonders lichtstarkes Objektiv ermöglichen. — Schon im ausgeschalteten Zustand ragt das Objektiv ca. 2 cm (m. Objektivdeckel) über das Gehäuse hinaus. Schaltet man die Kamera ein, fährt es auf stolze 4 cm aus! Und das bei einer Brennweite von 16,6 mm (was Kleinbild etwa 28 mm Bildausschnitt entspricht). Andere Hersteller haben schon vor 30 Jahren flachere Objektive gebaut. Die Lichtstärke ist mit 1:4 für eine Festbrennweite schwach (es gibt lichtstärkere Zoomobjektive). Bei der kurzen Brennweite relativiert sich der Tiefenschärfevorteil des größeren Sensors, um Motive freistellen zu können.

Bilder: Wie gesagt, kein Labortest mit Messung von Wellenlängen und Linienpaaren… Subjektiv ist die Belichtung meist zu hell, Kontraste oft flau und Farben oft schwach — all das, was ein APS-C-großer Sensor in einer Spiegelreflexkamera meist mit Bravour meistert. Auch wenn sich diese Mängel mit Photoshop oder RAW-Bearbeitung wieder hinbiegen lassen, kann es doch nicht sein, daß man fast jedes Bild einer „immer dabei“-Kamera erstmal nachbearbeiten muß. Die JPGs liegen „gefühlt“ mit 3 MB qualitativ eher bei 5 als bei 14 Millionen Pixel.

Handhabung: Vielleicht bin ich durch die logische und seit Jahren gewohnte Handhabung der Canon -Kameras auch vorbelastet, aber ich finde Einstellungen und Steuerung über das Menü umständlich (und DP1s weicht wiederum von der der DP2 ab). Dabei fallen auch die Plastikknöpfchen zur Bedienung unangenehm auf, einige gut erkennbar mit weißen Symbolen beschriften, andere aber auch direkt schwarz in schwarz eingeprägt, klein und knackfroschähnlich. Das Display ist akzeptabel, aber nicht dem Anspruch angemessen(entweder größer oder schwenkbar könnte man m. E. schon erwarten).

Fazit: Der Sensor kann die Vorteile seiner physikalischen Größe nicht ausspielen, nach Anzahl der Pixel hat er sowieso unter 5 Millionen, die spezielle dreilagige Konstruktion kann es m. E. nicht nach oben reißen. Die Bildqualität ist durchschnittlich auf Kompaktkamera-, nicht auf Spiegelreflexniveau. Der Rest der Kamera liegt nach „look & feel“ ebenfalls eher im Bereich einer 150-Euro-Consumerknipse.

 

Es geht mir nicht darum eine Kamera nieder zu machen, im Gegenteil, ich habe mich ja nicht ohne Grund um ein Testgerät bemüht. Doch dies ist das erste Mal, daß ich eine Teststellung vor Ende der Leihfrist und gern zurück sende… Um meinen Eindruck zu überprüfen habe ich sowohl nach positiven wie negativen Berichten gesucht, aber leider kaum etwas Konkretes gefunden. Doch wenn sowohl Laien als auch versierte Amateure die Ledertasche am besten finden, scheint der Kamera etwas zu fehlen.

Ich möchte der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, daß Sigma-Objektive für Spiegelreflexkameras dagegen einen guten Ruf haben — ich habe das 10 – 20 mm sowie das 18 – 75 mm getestet und bin sehr zufrieden.

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