Sigma DP2 im Praxistest

Schwachpunkt praktisch jeder Kompaktkamera ist der kleine Sensor, der allein auf Grund der geringen Größe in schwierigen Situationen — Schatten oder Dunkelheit — schnell zu Rauschen neigt und zwar je mehr desto höher die Pixelzahl (Canon hat bei der Modellpflege der Powershot-G 10 die Pixelzahl des Nachfolgemodells G 11 deshalb sogar wieder deutlich reduziert). Doch Kompakte mit großem Sensor sind rar und teuer. Da erweckt die Sigma DP2 mit Preisen in bezahlbaren Regionen großes Interesse (ca. 500 Euro neu bei Amazon, gebraucht z. T. erheblich günstiger).

Sigma DP2 mit optionalem Zubehör

Sigma DP2 mit optionalem Zubehör.

Und die Teststellung kommt edel daher: Kamera mit Ledertasche, Streulichtblende (ebenfalls im Lederköcher), Aufstecksucher, Aufsteckblitz, Ladegerät und zusätzliche Stromversorgung sowie Anleitungsbüchlein und Programm-CD (z. T. optionales Zubehör). So erinnert die Kamera sehr an traditionelle Meßsucherkameras. — Doch kann die Kamera die hohen Erwartungen erfüllen, die der erste Eindruck verspricht?

Achtung, dieser Erfahrungsbericht bezieht sich auf das Modell Sigma DP2 — inzwischen gibt es eine DP2s, die in wesentlichen Punkten verbessert sein soll (aber nochmals deutlich teuerer ist). Blöd, daß man mir als Teststellung nur das alte Modell gesandt hat. Das hier getestete Modell DP2 wird auch auf der Sigma -Homepage nicht mehr erwähnt…

Dies ist ein „subjektiver Erfahrungsbericht“, d. h. ich habe keine optische Meßbank und auch keine Pixel gezählt, das machen andere viel besser (siehe z. B. dpreview). Stattdessen habe ich sie mitgenommen und Bilder gemacht, wie ich es seit Jahren mit den unterschiedlichsten Kameras erfolgreich tue. Dementsprechend geht es um Handhabung und die subjektive Einschätzung von Bildqualität. Auch gehe ich nicht auf jedes Detail ein, das man als selbstverständlich voraussetzen kann — eher auf Selbstverständlichkeiten, die man vergeblich sucht…

Was findet sich unter der Haube?

Zunächst kurz zum Sensor: Es ist ein FOVEON X3 (CMOS) mit den physikalischen Abmessungen von 20,7 x 13,8 mm, was etwa APS-C einer digitalen Spiegelreflex entspricht. Die Pixelzahl beträgt allerdings nur 2.652 x 1.768 was mageren ca. 4,6 Millionen entspricht. Da bei diesem speziellen Sensortyp allerdings jeder Pixel alle Farben erfassen kann, argumentiert Sigma, daß er eigentlich mit ca. 14 Millionen Pixel konventioneller Bauart vergleichbar sei. Bei rund 3 Megabyte großen JPG-Dateien (Einstellung „fein“) darf das bezweifelt werden, aus den ca. 15 MB großen RAWs kann man allerdings mehr herausholen.

Menü und Bedienelemente der Sigma DP2.

Menü und Bedienelemente der Sigma DP2.

Bilder werden in drei JPG-Qualitätsstufen sowie RAW aufgezeichnet (Bearbeitungssoftware dazu mitgeliefert). Die Lichtempfindlichkeit läßt sich für JPG zwischen 50 und 800 ISO einstellen, im RAW-Modus sind sogar 1.600 und 3.200 möglich. — Sofern nicht anders erwähnt, sind die Aufnahmen in diesem Bericht mit AWB (autom. Weißabgleich), 200 ISO und Programm-Automatik in höchster JPG-Auflösung („fine“) gemacht — Einstellungen, wie bei einer Schnappschußkamera nicht unüblich; „Seiten“-Angaben beziehen sich auf die mitgelieferte Anleitung.

Foto & Film

Die Funktions- und Belichtungssteuerung ist überschaubar: P für Programm A für Zeitautomatik, S für Blendenautomatik und M für manuelle Einstellung. Der Bereich der Verschlußzeiten beträgt 1/2.000 bis max. 15 Sekunden, kein „B“-Modus. Dafür gibt es eine Belichtungsreihenautomatik (Seite 65): Damit kann man entweder nach dem „Gießkannenprinzip“ an die optimale Belichtung herantasten oder sie als Grundlage für DRI-Bilder verwenden. Einstellbar sind maximal +- 3 Blenden in Drittelstufen.

Eine tadellose Aufnahme von Gräsern im Moor.

Eine tadellose Aufnahme von Gräsern im Moor (unbearbeitet).

Der Autofokus arbeitet per Kontrasterkennung, was schon von Prinzip nie super schnell geht. Die Kamera hat aber die Eigenart beim Fokussieren das Bild außerdem noch „einzufrieren“, was besonders bei Aufnahmen von bewegten Objekten irritiert, da die anschließend versetzt im Bild auftauchen. Auch nach der Aufnahme braucht es deutlich Zeit, bis die Sanduhr verschwindet (mitgezählt ca. 4 Sekunden!).

Ungewöhnlich dagegen: Man kann manuell auf „unendlich“ einstellen oder sogar eine komplett manuelle Fokussierung aktivieren, wobei ein Drehrädchen zum Einsatz kommt (Seite 50). Die Naheinstellgrenze liegt bei ca. 28 cm.

Trotz des großen Sensors bietet die Videoaufnahme nur QVGA mit 320 x 240 Pixel bei 30 Bilder/s (Seite 101). Eine Fokussierung während der Aufnahme ist nicht möglich. Die Aufnahmezeit ist „unbegrenzt“ bis die max. Dateigröße von 2 Gigabyte erreicht ist (lt. Anleitung sind das 60 Minuten). In der Praxis ist dies selten von Nachteil, weil einzelne Szenen meist deutlich kürzer sind. Bei meinen Probeaufnahmen ergeben sich trotz der Minimalanforderung Aussetzer…

Funktionen & Zubehör

Einen Anschluß für einen Fernauslöser gibt es nicht, dafür kann man notfalls den Selbstauslöser mit wahlweise 10 oder 2 s Vorlauf verwenden. Außerdem gibt es einen Intervalltimer, der sich allerdings nur sehr grob einstellen läßt (Seite 71: 30 Sekunden, 1, 5, 10, 15, 30, 45 Minuten, 1, 3, 6, 12 oder 24 Stunden) sowie die Anzahl der Aufnahmen insgesamt (2, 3, 5, 7, 10, 20, 30, 40, 50, 75, 99 oder beliebig) — keine Ahnung, warum man dies nicht frei wählen können soll. Dabei ergeben sich Wechselwirkungen mit der Einstellung „Serienaufnahme“ und es werden jeweils 4 JPGs oder 3 RAWs gemacht.

Der Blitz ist verdeckt eingebaut und wird per Schiebeschalter zugeschaltet. Dabei schießt er mit Schmackes aus dem Gehäuse — wirkt schon etwas simpel. Sigma bietet auch einen Aufsteckblitz EF-140 DG, der mit Leitzahl 14 (ISO 100) auch nicht besonders helle ist. Immerhin bietet der Blitzschuh die Möglichkeit auch andere Blitzgeräte aufzunehmen — wenn man keine technischen Sperenzchen braucht, erledigt der 20 Jahre alte Metz Mecablitz per X-Sync das Blitzen viel besser, wenn es von den Größenverhältnissen her auch ein wenig skurril wirkt.

Dieses -- unbearbeitete -- Bild sieht doch komisch aus...

Dieses — unbearbeitete — Bild sieht doch irgendwie komisch aus…

Optional gibt es auch einen externen Sucher VF-21, der das Display überflüssig machen soll, aber leider nicht mehr als eine Zielhilfe ist: Ein Leuchtrahmen mit Parallaxenmarken, keine Einstellhilfen, keine Belichtungsinformationen oder auch kein „OK“-Lämpchen — weshalb der Zubehör ist und lt. Liste 170 Euro kosten soll, ist mir schleierhaft (bei Amazon z. Zt. ca. 140 Euro). Eine Streulichtblende ist sinnvoll, aber leider auch hier „optional“ für satte 20 Euro. Außerdem wächst der Objektivtubus auf stolze 6 cm, so daß die Kamera alle andere als kompakt ist. Bemerkenswert die optionale Dauerstromversorgung (SAC-3, optional), die über eine normale Anschlußbuchse am Gehäuse möglich ist.

Testaufnahmen

Testbilder sind gefragt, aber ein schwieriges Feld, da grundsätzlich selbst der Unterschied zwischen gelungenen Aufnahmen sehr groß und z. T. Geschmackssache sein kann — und dementsprechend die Grenze zu mißlungen Bildern fließend ist. Nach einer Wanderung durchs Moor fällt als erstes auf, daß es Probleme beim Überspielen der Bilder gibt: Eine Datei ist beschädigt (es fehlen 2/3 des Bildes), zwei Gleich drei fehlerhafte Dateien bei den TestbildernDateien sind gar nicht lesbar — das habe ich noch nie erlebt, und es gibt während der Aufnahme keine Anzeichen dafür.

Gleich drei fehlerhafte Dateien bei den Testbildern

Über Farbe, Kontrast und Schärfe kann man viel diskutieren — m. E. fallen die unbearbeiteten Bilder der Sigma DP2 im Vergleich zu meiner nun schon etwas älteren Sigma DP2 links und Canon Powershot G7 (rechts)Canon Powershot G7 deutlich ab (selbstverständlich ebenfalls unbearbeitet). Man achte auf das Grün der Pflanze, die rosa Blüten, die Hauttöne sowie die schwarzen Ärmel.

Sigma DP2 (links) und Canon Powershot G7 (rechts)

Das Bild links zeigt einen Screenshot im direkten Vergleich, darunter zwei Originalbilder (ebenfalls unbearbeitet, aber etwas in der Größe angepaßt). Die Canon G7 hat 10 Millionen „konventionelle“ Pixel und einen Sensor im 4:3-Format (während die Sigma im 3:2-Format arbeitet). — Bei den beiden Originalen unten ist der Unterschied nicht ganz so krass wie bei dem Screenshot, die Farbunterschiede bis zu einem gewissen Grad Geschmackssache. Doch während bei der Canon alle Fotos des Ausflugs im „look & feel“ zusammen passen, fallen die Unterschiede bei den Sigma-Bildern z. T. deutlich auf: von unbrauchbar flau bis beachtlich reicht das Niveau.

Moorrose mit Sigma DP2 Moorrose mit Canon Powershot G7

Moorrose mit Sigma DP2 und Canon Powershot G7 (jeweils unb. JPG).

Fazit

Die Kamera wird m. E. — leider — des höherwertigeren Anspruchs nicht gerecht…

Optik: Der Verzicht auf ein aufwendiges Zoom sollte eine besonders kompakte Bauform sowie ein besonders lichtstarkes Objektiv ermöglichen. — Schon im ausgeschalteten Zustand ragt das Objektiv ca. 2,5 cm (m. Objektivdeckel) über das Gehäuse hinaus. Schaltet man die Kamera ein, fährt es auf stolze 5 cm aus! Und das bei einer Brennweite von 24,2 mm (was Kleinbild etwa 41 mm Bildausschnitt entspricht). Andere Hersteller haben schon vor 30 Jahren flachere Objektive gebaut. Die Lichtstärke ist mit 1:2,8 ebenfalls durchschnittlich (es gibt sogar lichtstärkere Zoomobjektive). Kleiner Lichtblick ist das günstigere Verhältnis der Tiefenschärfe, so daß man Motive etwas besser freistellen kann.

Bilder: Wie gesagt, kein Labortest mit Messung von Wellenlängen und Linienpaaren… Subjektiv ist die Belichtung meist zu hell, Kontraste oft flau und Farben oft schwach — all das, was ein APS-C-großer Sensor in einer Spiegelreflexkamera meist mit Bravour meistert. Auch wenn sich diese Mängel mit Photoshop & Co. wieder hinbiegen lassen, kann es doch nicht sein, daß man fast jedes Bild einer „immer dabei“-Kamera erstmal nachbearbeiten muß. Die JPGs liegen „gefühlt“ mit 3 MB eher bei 5 als bei 14 Millionen Pixel, (RAW muß ich noch testen).

Handhabung: Vielleicht bin ich durch die logische und seit Jahren gewohnte Handhabung der Canon -Kameras auch vorbelastet, aber ich finde Einstellungen und Steuerung über das Menü unübersichtlich. Dabei fallen auch die Plastikknöpfchen zur Bedienung unangenehm auf, die z. T. gut erkennbar mit weißen Symbolen beschriften, aber auch direkt schwarz in schwarz eingeprägt, klein und knackfroschähnlich sind. Das Display ist akzeptabel, aber nicht der Preisklasse entsprechend (entweder größer oder schwenkbar könnte man erwarten).

Fazit: Der Sensor kann die Vorteile seiner physikalischen Größe m. E. nicht ausspielen, nach Anzahl der Pixel hat er sowieso nur 5 Millionen, die spezielle dreilagige Konstruktion kann es nicht nach oben reißen. Die Bildqualität ist eher durchschnittlich auf Kompaktkamera-, nicht auf Spiegelreflexniveau. Der Rest der Kamera liegt nach „look & feel“ ebenfalls eher im Bereich einer 150-Euro-Consumerknipse (ganz im Widerspruch zu den Objektiven für Spiegelreflexkameras).

[Update ]

Eine Enttäuschung, die auch schon andere Fotografen mit viel teueren Kameras gemacht haben: Canon Spiegelreflex (EOS 1Ds bzw. 5 Mk II) im Vergleich zu einer doppelt so teueren „Kompaktkamera“ Leica M8 bzw. M9, auch da schneidet die „Kompakte“ trotz Vollformat-Sensor nicht so toll ab. Es bleibt wohl dabei: An einer guten Ausrüstung hat man auch gut zu tragen.

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