Mach‘ ’ne Fliege ohne Makro

Was werde ich ich zum Teil wegen meiner Tipps zur einfachen Makrofotografie angefeindet: Es gehe keinesfalls ohne spezielles Makroobjektiv, Zoomobjektive seien „Flaschenböden“ und wenn du nicht mindestens 200 Bilder stackst, hast du sowieso keine Ahnung. Sicherlich kann man damit das Optimum an Qualität erreichen, fragt sich nur, ob ein lebendes(!) Insekt so lange auf dich wartet.

Makrofoto Fliege

Makrofoto einer Fliege.

Fast alle Superaufnahmen, die du bei Spezialisten zu sehen bekommst, sind Präparate! Diese Fliege krabbelt munter an der Fensterscheibe herum. Viele „Experten“ vergessen, daß zu Anfang so viel Spezialausrüstung gar nicht zur Verfügung steht und außerdem einen Haufen Geld kostet (und du noch gar nicht weißt, ob es dir langfristig überhaupt Spaß macht). Aber zum Glück geht es auch anders…

Schnappschuß

Eigentlich möchte ich ja ein Insekt fotografieren, das hinter einer Glasscheibe hockt und von der Sonne durchleuchtet wird. Aber das macht sich zwischenzeitlich davon, dafür sind die Fliegen da… Eine gute Gelegenheit, dir zu zeigen, was man „ohne Ahnung“ und mit wenig Ausrüstung erreichen kann: Das Bild ist eine Freihand(!)-Aufnahme aus etwa 15 cm Entfernung (weil Fliegen ja so dickfellig sind; Blende 10, Bel. 1/500 s bei ISO 200/24 DIN). Ich nehme meine Lumix mit Standardobjektiv 12 – 32 mm (24 – 64 mm KB). Einziges Makrohilfsmittel ist ein 11-mm-Zwischenring (und letztlich hilft die Bildstabilisierung des Standardobjektivs).

Bildbearbeitung

Nach der notwendigen RAW-Bildbearbeitung in Lightroom lädt die schwarze Fliege mit den leuchtend rot/braunen Facettenaugen zur weiteren Bearbeitung ein. Wie macht man das mit dem Colorkey? Man könnte jetzt einfach im Modul HSL/Farbe alle Farben bis auf rot/braun entsättigen. Das hat aber auch bei einem fast schon monochromen Bild wie der Fliege den Nachteil, daß sich auch der gewünschte Bereich — die Facettenaugen — verändern, weil dort möglicherweise minimal gelb und blau Teil der Lichtreflexe sind. Ich lege deshalb mit dem Korrekturpinsel über den nicht gewünschten Bereich eine (Korrektur-) Maske. Diese kann ich anschließend separat entsättigen, aber zusätzlich in Kontrast und Belichtung steuern — die Extraarbeit lohnt sich. Außerdem fahre ich die Entsättigung nicht ganz bis zum Anschlag, so daß noch ein Hauch von gelb/braun den Bereich der Flügel ein wenig belebt.

Tipp: Mit [O] (Oh) kannst du die Maskierung ein- und ausblenden. Da die Standardeinstellung rot sich nicht so gut von diesem Motiv unterscheidet, kannst du über [Umschalt][O] die Anzeigefarbe der Maskierung wechseln. In diesem Fall ist grün hilfreich.

Fazit

Es ist schon klar, daß die Schärfe nicht optimal verteilt ist. Ja, Borsten und Mundwerkzeuge sind nicht nur wegen der Schärfentiefe unscharf. Aber vieles ist schon gut erkennbar. Auf der anderen Seite sind die Facettenaugen klar und deutlich getroffen. Und das ist eines von nur vier Fotos „aus der Hüfte geschossen“. Wenn man mit so wenig Aufwand ein brauchbares Bild bekommt, macht es neugierig auf mehr. Und dann kann man sich vielleicht auch extra ein Makroobjektiv anschaffen.

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