Lightpainting am Maschsee

Es gibt ja gelegentlich die Situation, daß man nach einer Fotoaktion nach Hause kommt — und dann die Bilder auf dem großen Bildschirm leider gar nicht mehr so toll aussehen, wie man es sich vor Ort erhofft hatte. Beim Lightpainting ergeht es mir oft andersherum: Ich bin immer wieder über Details überrascht und habe selten zuvor beim ersten Sichten in Lightroom so viele 4-Sterne-Bewertungen für das unbearbeitete Bild vergebe. Die hohe Trefferquote ist allerdings auch darauf zurückzuführen, daß wir diese Fotoaktionen mehr oder weniger akribisch vorbereiten. Das ist etwas, wofür ich gern Mal als Erbsenzähler kritisiert werde.

Lightpainting

James B. läßt grüßen.

Achtung, Aufnahme!

Wie ich schon oft erklärt habe, ist die „leuchtende Taschenlampe“ nur vordergründig der Hauptakteur beim Lightpainting: Man muß wie Karl-Heinz damit auch umzugehen wissen und ein Model wie Anna an Bord haben. Und wie ebenfalls oft erwähnt, kommt der Auswahl der Location eine erhebliche Bedeutung zu: die Spiegelung im Maschsee und im Hintergrund das Hannöversche Neue Rathaus geben dem Bild den letzten Pfiff (Danke an Ralf für die Erlaubnis für den Bootssteg).

Technische Voraussetzung ist solides Stativ und, um Verwackler zu vermeiden, ein Fernauslöser. Als Objektiv verwende ich diesmal mein 35er. Ein weit verbreiteter Irrtum beim Lightpainting ist, daß man immer sehr lange belichten muß (es ist ja schließlich dunkel…). Im Gegenteil, das führt leicht zu Überbelichtungen. Die Belichtungszeiten liegen zwischen 4 und 10 Sekunden, die meisten bei 5 oder 6 Sekunden. Dabei arbeite ich nicht mit der Stoppuhr, sondern nutze einen Zeitgeber, den ich vor der Nase habe: ich zähle die Umdrehungen der „Taschenlampe“ (bei Blende 8 und 11 und ISO 100|21 DIN).

Leuchtfeuer

Die Bilder könnte man „out of camera“ verwenden (als wäre eine RAW-Entwicklung automatisch eine Fälschung). Aber gerade bei Nachtaufnahmen mit hohem Kontrastumfang ist eine Justage sinnvoll. Da ich bei Dunkelheit den Ausschnitt immer sehr großzügig weit wähle — normalerweise mit meiner 14-mm-Optik — ist die Wahl des Ausschnitts im post processing meist wichtiger.

Lightpainting

Lightpainting am Maschsee|Hannover.

Wie du siehst, bevorzuge ich das Seitenverhältnis 1:1, das zusammen mit der Spiegelung sehr ausgewogen wirkt.

Lightpainting

Lightpainting.

Sicherlich ist das Model als Silhouette prima. Es lohnt sich, als Variante das Gesicht oder die ganze Person aufzuhellen. Ich mache das wegen der Reproduzierbarkeit gern per Blitzgerät, diesmal hat aber eine leuchtstarke Taschenlampe gereicht.

Schwarzweißfoto plus

Funktioniert so ein farbenfrohes Foto auch in Schwarzweiß? Im Prinzip schon, du solltest allerdings darauf achten, daß das Motiv dazu paßt und die Zuordnung der Grautöne zu klaren Kontrasten führt und nicht zu grauem Wischiwaschi. Welche Farbe in welchem Grauton dargestellt wird ist nämlich nicht fest vorgegeben — das kommt einem nur so vor, weil viele Nutzer/Programme die Bilder nur entsättigen. In Lightroom nutzt man stattdessen besser die SW-Farbfilter Rot, Grün, Orange, Gelb oder Blau (schon vor Jahren habe ich es im Kanalmixer von Photoshop vorgeführt). Ich entscheide mich im Profilbrowser von Lightroom für die Schwarzweiß-Umwandlung per Blaufilter. Das ergibt klare Strukturen und eine schöne Silhouette.

Lightpainting in Schwarzweiß... Lightpainting coloriert

Lightpainting in Schwarzweiß und coloriert.

Zum Schluß möchte ich durch die Hintertür wieder etwas Farbe ins Spiel bringen — in Lightroom, kein großer Aufriß in Photoshop & Co. Ich verwende dazu die Teiltonung mit der Kombination rot für Lichter und blau für Tiefen.

Tipp: Wenn das Schwarzweißbild eigentlich schon „fertig“ ist, nochmal zurück in die Grundeinstellungen und dort an den Weißabgleichreglern herumspielen. Das beeinflußt die Zuordnung von Licht/Schatten und damit die Einfärbung.

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